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Leopold SchleierHl. Leopold von Österreich

Festtag am 15. November

Der Junge wurde wie sein Vater Leopold getauft. Der Name kommt von „Luitbald“, das „Kühnes Volk“ heißt. Er wurde um 1075 höchstwahrscheinlich in Melk geboren. Auf der dortigen Burg residierte sein Vater, der Babenberger-Markgraf Leopold II. Markgräfin Itha, seine Mutter, stammte aus dem Geschlecht der Grafen von Formbach. Erzogen wurde der kleine Leopold vom Bischof Altmann von Passau, der ihm auch das Friedensstiften lehrte.

Als sein Vater Leopold II. am 12. Oktober 1095 starb, übernahm er mit 20 Jahren die Markgrafschaft Österreich und verlegte seinen Herrschaftssitz nach Klosterneuburg, wo er eine neue Burg errichtete. Seine erste Frau starb früh, schenkte ihm aber seinen ältesten Sohn Adalbert.

Das Jahr 1105 war für das weitere Geschick Leopolds III. von großer Bedeutung. Er Kaiser Heinrich IV. hatte immer größere Schwierigkeiten mit den Fürsten des Reiches. Selbst sein eigener Sohn stellte sich an die Spitze der Aufständischen. Vater und Sohn standen sich feindlich mit je einem Heer gegenüber. Dem jungen Prinzen, dem späteren Heinrich V. gelang es, Herzog Boriwoy von Böhmen und den Babenberger Leopold von Österreich zu überreden, mit ihren Truppen das Heer des Kaisers zu verlassen. Dessen Lage war dadurch so aussichtslos geworden, dass er flüchten musste. Ein Bürgerkrieg konnte verhindert werden. Heinrich V. erwies sich dankbar und gab Leopold seine Schwester Agnes zur Frau. Agnes brachte dem Markgrafen nicht nur Ansehen im Reich, sondern auch ein beträchtliches Vermögen.

Das besondere Kennzeichen der Politik Leopolds III. ist seine Friedensliebe. Nur zweimal griff er zu den Waffen, um Einfälle der Ungarn zurückzuschlagen. Leopold betrieb eine aktive Friedenspolitik. Zum einen trat er als Friedensstifter in Streitigkeiten seiner Vasallen auf, zum anderen arbeitete er für den Frieden zwischen Papst und Kaiser. 1122 wurde der jahrzehntelange Konflikt um die Frage, wer die Bischöfe ernennen darf (Investiturstreit) mit dem „Wormser Konkordat“ beendet. Leopold hatte einen großen Einfluss am Zustandekommen dieses Kompromisses.

FasslrutschenLeopold III. sorgte für die Klöster in seinem Herrschaftsbereich durch großzügige Schenkungen, damit sie das Land kultivieren. Überliefert ist vor allem auch seine große Fürsorge für die Armen und Kranken.

Über die Gründung des Stifts Klosterneuburg berichtet eine Sage, die sogenannte Schleierlegende.

Nach der Hochzeit mit Agnes, der Tochter des Kaisers, stand Markgraf Leopold mit seiner Frau am Balkon seiner Burg. Ein heftiger Windstoß trug den Schleier der Markgräfin davon. Der kostbare Stoff konnte nicht mehr gefunden werden.

Neun Jahre später war Leopold auf der Jagd. Plötzlich schlugen die Hunde an, und Leopold fand den Schleier seiner Gattin unversehrt auf einem Holunderstrauch wieder. In diesem Augenblick erschien ihm die Gottesmutter Maria und befahl ihm, an dieser Stelle ihr zu Ehren eine Kirche zu bauen und ein Kloster zu gründen.

Am 12. Juni 1114 ließ Markgraf Leopold den Grundstein zur Stiftskirche neben seiner Burg in Klosterneuburg legen. Dieses Ereignis darf als eigentliche Gründung des Stiftes angesehen werden.

Seinen Sohn Otto ernannte Leopold in jungen Jahren zum Propst von Klosterneuburg. Otto ging nach Frankreich und trat dem Reformorden der Zisterzienser bei. Die Mönche atellten alles in Eigenarbeit her. Leopold Lernte von seinem Sohn und änderte seine Kirchenpolitik. Er sah die Begeisterung der Mönche für das einfache Leben und das Handwerk. Leopold gründete in diesem Zuge 1133 das Zisterzienserkloster Heiligenkreuz, und verzichtete auf sein Eigenkirchenrecht in Klosterneuburg, indem er dorthin Augustiner Chorherren rief.

Trotz der Unterordnung unter kirchliche Anliegen konnte er sein Land zu Macht, Ansehen und Selbstständigkeit führen. Leopold III. wurde 1125 als ernsthafter Kandidat bei der Königwahl vorgeschlagen, doch lehnte er ab.

Am 29. September 1136 wurde die Stiftskirche in Klosterneuburg feierlich vom Salzburger Erzbischof eingeweiht. Wenige Wochen später, am 15. November 1136, starb Leopold bei einem Jagdunfall im 61. Lebensjahr.

Bald nach seinem Tod wurde Leopold vom Volk als Heiliger verehrt. Offiziell heiliggesprochen wurde er am 6. Jänner 1485 von Papst Innozenz VIII. Ein Hauptgrund dafür war seine schon zu Lebzeiten vielgerühmte Freigebigkeit gegenüber den Armen in seinem Land. Seine großzügigen kirchlichen Stiftungen sind der zweite Grund gewesen. Weiters ist seine schon erwähnte Friedenspolitik zu nennen, sowie der Einsatz für die Kirchenreform.

Leopold III. ist nicht nur ein Heiliger Österreichs unter vielen, sondern seit 1663 auch offiziell der Nationalpatron dieses Landes. Sein Festtag am 15. November wird bis zum heutigen Tag gefeiert.

Leopold Stammbaum1663 ordnete Kaiser Leopold I. an, dass dem "Heiligen Leopold als ein Patron und Schutzherr unseres ganzen Landes Österreichs gedacht" werde. Der Sterbetag Markgraf Leopolds III., der 15. November 1136, wurde zum Landesfeiertag erhoben, der kaiserliche Hof samt Gefolge, der Klerus und die höchsten Staatsmänner pilgerten nach Klosterneuburg.

Höhepunkt der Feier ist der Gottesdienst am 15. November um 10.00 Uhr in der Stiftsbasilika.

Das Augustiner-Chorherrenstift eröffnet seinen Veranstaltungsreigen bereits am 14. November um 16.00 Uhr mit dem "Fasslrutschen". Dazu gibt es ein altes Gedicht:

Einhundert dressig Jahre alt,

Wars im Keller mir zu kalt,

Dort rutschen Tausend übern Rücken,

auch hier wird man mich nicht zerdrücken.

Dieser Reim wurde 1834, anlässlich der Übersiedlung des 1000-Eimer-Fasses vom Weinkeller in den Binderstadl, angebracht.

Die Deutung des Fasslrutschens wurde schon oft versucht. Manche führen ihn auf das Abliefern des Zehentweines durch die Hauer zurück, die auf der einen Seite das Fass erklommen, den Wein oben in einen Gießkorb entleerten und auf der anderen Seite herunterrutschten.

Eine der vielen Geschichten erzählt von einem jungvermählten Wirt der Klosterneuburger Kellerschank, der vom alten Bindermeister sekkiert wurde, dass er unter dem Pantoffel stünde. Wenn seine Frau darauf bestände, dass er über das große Fass rutschen solle, dann würde er es tun. Der Wirt meinte: "Sollte ich je ein solcher Pantoffelheld sein, müsste es zum Kellerrecht werden, dass jeder Gast mir zum Spotte übers große Fass rutsche." Die Wette wurde besiegelt und es kam wie es kommen musste. Der jungen Wirtsfrau wurde diese Geschichte zugetragen und sie kränkte sich darob. Viele Tage schmollte sie und war trotzig. Der Ehemann fragte sie nach dem Grund für die plötzliche Gemütsverstimmung und sie erwiderte: "Du fragst mich noch? Du sagtest doch, dass dir an mir gar so wenig gelegen sei, dass du mir zuliebe nicht einmal übers große Fass rutschen würdest!" Und sie verlangte genau dies als Zeichen seiner Liebe.

Der Wirt zauderte, aber die Frau fing an zu weinen und schließlich gab er nach. In der Nacht schlich er sich in den Keller, kletterte auf das große Fass hinauf und rutschte dann auf der anderen Seite hinunter, wo er von seiner Frau empfangen wurde. Plötzlich erscholl hinter dem Fasse ein großes Gelächter, und hervor kroch der alte Bindermeister und klopfte ihm auf die Schulter: "Hatte ich nicht Recht? Wenn eine Frau es will, so muss jeder Mann nach ihrer Pfeife tanzen."

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