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a) Dshutterstockie katholische Soziallehre

Das II. Vatikanische Konzil hat es klar benannt: Es ist Aufgabe der Kirche, aktuelle Herausforderungen zu erkennen, sie im Licht des Evangeliums zu deuten und entsprechend zu handeln. "Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi." (Gaudium et spes 1). Aufgabe der Kirche in unserer Gesellschaft ist es daher prophetisch zu sein. Sie kommt dieser Aufgabe nach, indem sie im Sinne Jesu eine Option für die Armen, für die Entrechteten, für die Unterdrückten und für die Sprachlosen einnimmt, sich zu deren Sprachrohr macht und gegen menschenverachtende Strukturen in Wirtschaft und Politik auftritt. Die Kirche reagierte auf die Folgen der industriellen Revolution für die arbeitenden Menschen: Armut und Existenzunsicherheit von Arbeitern, Bauern, Landarbeitern und kleinen Angestellten. Der Beginn der kirchlichen Reaktion auf diese drängende Situation war das Engagement von Laien und Priestern: Adolf Kolping (†1865), Johannes Don Bosco († 1888) Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler (†1877). Aus diesen Bemühungen für die Rechte und die Würde der Arbeiter entstand 1891 das erste weltweite Dokument zur sozialen Frage, Rerum novarum. Diese erste Sozialenzyklika, die von Papst Leo XIII. verfasst wurde, beschrieb die erbärmliche Situation der Lohnarbeiter und rief auf, die Auswüchse der Industrialisierung zu bekämpfen.
Die Entwicklung der kirchlichen Soziallehre in den Sozialenzykliken der Päpste:

Zentrale Intention von Rerum novarum war es, darauf zu verweisen, dass das Kapital ohne Arbeit nicht bestehen kann und daher die Rechte und die .Würde, der ArbeiterInnen zu erhalten sind. Vierzig Jahre später, 1931 veröffentlichte Pius XI unter dem Eindruck der schweren Weltwirtschaftskrise des Jahres 1929 die Enzyklika Quadragesimo anno. Zur Industrialisierung kam der Machtzuwachs der Finanzgruppen. Auf diesem Hintergrund mahnt die Enzyklika, dass der Lohn nicht nur den Bedürfnissen der Arbeiter, sondern auch denen ihrer Familien angemessen sein müsse. Pius trat klar gegen den Finanzkapitalismus auf. Papst Johannes XXIII betonte in seiner Enzyklika Mater et magistra (1961) die Gemeinschaft und rief dazu auf, in Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe eine echte Gemeinschaft zu schaffen. 1963 macht Johannes XXIII. mit der Enzyklika Pacem in terris in einer Zeit der nuklearen Aufrüstung Frieden das Gemeinwohl zum zentralen Thema.

Das II. Vatikanische Konzil (1962 - 1965) betont in der Pastoralkonstitution Gaudium et spes die Würde jeder einzelnen Person auch als Urheber, Mittelpunkt und Ziel allen Wirtschaftens. Papst Paul VI rief 1967 in seinem Schreiben Populorum Progressio zu mehr Solidarität mit den Ländern des Südens auf und die Bischöfe von Lateinamerika gaben sich 1968 die Verpflichtung der vorrangigen Option für die Armen. 90 Jahre nach Rerum novarum widmete Johannes Paul II. 1981 die Enzyklika Laborem exercens der Arbeit. Sie hat den Vorrang vor dem Kapital und soll die Gesellschaft gestalten. Die österreichischen Bischöfe haben 1990 einen eigenen Sozialhirtenbrief formuliert, in dem darauf hingewiesen wird, dass Kritik auch im eigenen Bereich angebracht ist. So haben sich etliche Diözesen dafür entschieden, ihre Finanzen über nachhaltig arbeitende Banken zu regeln. Im Sozialwort des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, das 2003 veröffentlicht wurde, nehmen 14 österreichische christliche Kirchen zu brisanten Fragen der sozialen Gerechtigkeit aus der Perspektive christlicher Soziallehre Stellung. Vgl. www.sozialwort.at .

SoziallehreIn der Mitte der Mensch: die Sozialprinzipien

Von Beginn an wurde in der katholischen Soziallehre auf der Grundlage des christlichen Gottes- und Menschenbildes eine Reihe von Prinzipien entwickelt, die konstitutiv für eine christliche Sicht des Menschen als soziales Wesen.

Das Personprinzip besagt: Im gesellschaftlichen Leben ist immer und überall der Tatsache Rechnung zu tragen, dass der Mensch Person ist und dass die Würde der menschlichen Person zu achten, zu schützen und zu fördern ist (vgl. Mater et magistra 4). In diesem Sinn wird dieses Prinzip auch als oberstes Sozialprinzip, aus dem heraus erst alle anderen Prinzipien ihren Stellenwert gewinnen, verstanden. Eine andere, gerade heutzutage zu betonende Komponente des Personprinzips besagt den Vorrang der Person vor der Sache, den Vorrang der Arbeit vor allen anderen Faktoren des wirtschaftlichen Lebens, insbesondere vor dem Kapital, sowie den Vorrang der Ethik vor der Technik und der Ökonomie.
(Bild aus: Markus Schlagnitweit, Katholische Soziallehre – ein antizyklisches Konzept, http://w3.khg.jku.at/schlagnitweit/aufeinwort/KSLantizyklisch.pdf, abg. 29.02.2020)

Das Gemeinwohlprinzip hat das Wohlergehen von Gemeinschaften, das über das Befinden des einzelnen Menschen hinausgeht, zum Ziel: Es geht um "die Summe aller jener Bedingungen des gesellschaftlichen Lebens, die den Einzelnen, den Familien und gesellschaftlichen Gruppen ihre eigene Vervollkommnung voller und ungehinderter zu erreichen gestatten." (Gaudium et spes 74) Gemeinwohl schließt die Forderung nach Gerechtigkeit ein, d.h. die prinzipielle Berücksichtigung des Wohls aller Personen. Gegenüber dem individuellen Wohl aller Personen ist das Gemeinwohl ein nachgeordneter Wert.

Das Solidaritätsprinzip: Menschen sind von Natur aus darauf angelegt, sich in einer Beziehung zu einem personalen Gegenüber zu entfalten. Diese Beziehung ist aber nur dann verantwortlich gelebt, wenn die Gemeinschaftsbezogenheit der Einzelnen anerkannt wird. Das Solidaritätsprinzip bringt diese Beziehung und die sich daraus ergebende Verpflichtung zur Geltung: Wer nicht solidarisch denkt und handelt, ignoriert ein Wesensmerkmal der menschlichen Person.

Das Subsidiaritätsprinzip betont: Was ein einzelner Mensch oder eine kleinere Gemeinschaft eigenverantwortlich leisten kann, sollte nicht von einer größeren gesellschaftlichen Einheit übernommen werden. Was beispielsweise im Rahmen der Familie geregelt werden kann, dafür sollte nicht der Staat die Zuständigkeit an sich reißen, aber grundsätzlich eine unterstützende Haltung einnehmen. Erst wenn ein Einzelner oder eine kleine Gemeinschaft nicht in der Lage ist, aus eigener Kraft zurechtzukommen, muss die nächstgrößere Gemeinschaft unterstützend (,subsidiär') eingreifen,

nach dem Prinzip ,Hilfe zur Selbsthilfe'.

Prinzip der Nachhaltigkeit:  Die Bewahrung der Schöpfung wird vom Prinzip der Nachhaltigkeit eingefordert. Alle gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Maßnahmen haben auch unter Berücksichtigung ihrer Folgen für die Zukunft und ihrer ökologischen Folgen bedacht und gesetzt zu werden. Nachhaltigkeit ist somit eine strukturelle Konsequenz rechtverstandener Solidarität mit künftigen Generationen.

Die vorrangige Option für die Armen als Konkretisierung des Gemeinwohlprinzips geht von der Verpflichtung aus, Gerechtigkeit für alle zu schaffen. Diese Verpflichtung ergibt sich aus der radikalen biblischen Forderung "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" (Lev 19,18). "Dies ist eine Option oder ein besonderer Vorrang in der Weise, wie die christliche Liebe ausgeübt wird; eine solche Option wird von der ganzen Tradition der Kirche bezeugt. Sie bezieht sich auf das Leben eines jeden Christen, insofern er dem Leben Christi nachfolgt; sie gilt aber gleichermaßen für unsere sozialen Verpflichtungen und daher auch für unseren Lebensstil sowie für die entsprechenden Entscheidungen, die hinsichtlich des Eigentums und des Gebrauchs der Güter zu treffen sind." (Sollicitudo rei socialis 42)

Das Handeln im Auftrag Jesu Christi

Die Botschaft Jesu und der christliche Glaube sind geprägt vom Kommen des Reiches Gottes. Das Reich Gottes ist nicht nur bezogen auf individuelle Frömmigkeit, sondern fordert auch Welterneuerung und Verwirklichung der christlichen Utopie des „neuen Himmels und der neuen Erde“. Das Reich Gottes beginnt nicht irgendwann in der Zukunft, sondern es ist mitten unter uns. Hier und jetzt muss es spürbar und erlebbar werden. Christinnen und Christen sind berufen, am Aufbau des Reiches Gottes zu arbeiten, wissend, dass es in seiner Vollendung noch aussteht. Jesus tritt für die Schwachen ein. Im Gegensatz zu verschiedenen politischen Gruppen seiner Zeit setzt er aber nicht auf Gewalt. Sein Handeln ist geprägt von einer Gewaltfreiheit, die auch den Gegner in seinem Person- und Menschsein ernst nimmt. Sein Wille ist es, dass der Mensch Heil und Leben in Fülle erfährt. Allzu oft sind es auch gesellschaftliche Bedingungen, die dies einschränken bzw. verhindern. Christlicher Auftrag ist es, mit den Armen und Bedrückten Ursachen für himmelschreiende Ungerechtigkeiten zu suchen und Strukturen so zu verändern, dass immer mehr Gerechtigkeit, Befreiung und Versöhnung möglich wird. Aufgabe der Christinnen und Christen in der Politik ist es, Bedingungen herzustellen, die selbstbestimmtes und sinnerfülltes Dasein möglich machen. Das Menschenbild ist gekennzeichnet vom Menschen als Träger, Schöpfer und Ziel aller gesellschaftlichen Einrichtungen. Unabhängig von Rasse, Schichtzugehörigkeit oder Nation sind Menschenwürde und Menschenrechte unantastbar und unbedingt schützenswert. Ziel des Handelns ist eine lebenswerte Welt und soziale Gerechtigkeit; Freiheit, Menschenrechte, Frieden, Solidarität, Demokratie, Gewaltfreiheit, Toleranz und Ehrlichkeit sind Kennzeichen dieser Welt - auch durch soziale Organisationen und Einrichtungen wie z.B. Caritas, Diakonie, Vinzi-Rast, Gruft. Das Eigentum verpflichtet. Deswegen muss die Politik das Eigentum verpflichten.

Überlegungen:

Das eigentliche Ziel der Wirtschaft besteht „weder in der vermehrten Produktion als solcher noch in Erzielung von Gewinn oder Ausübung von Macht, sondern im Dienst am Menschen, und zwar am ganzen Menschen im Hinblick auf seine materiellen Bedürfnisse, aber ebenso auch auf das, was er für sein geistiges, sittliches, spirituelles und religiöses Leben benötigt. Das gilt ausdrücklich für alle Menschen und für jeden einzelnen, … ist doch der Mensch Urheber, Mittelpunkt und Ziel aller Wirtschaft.“
(Aus: Sozialhirtenbrief der katholischen Bischöfe, Wien, 1990, Nr.17 und. Pastorale Konstitution über die Kirche in der Welt von heute, Gaudium et Spes, Freude und Hoffnung 64 und 63)

Zweifellos gibt es in Österreich viele Menschen, die mit ihrer Arbeit zufrieden sind, die ganz zu ihrem Betrieb stehen und das vielfältige Entgegenkommen von Seiten der Betriebsleitung zu schätzen wissen. Wir begegnen aber auch Aussagen, die uns besorgt machen. Es handelt sich dabei nicht um seltene Ausnahmen, sondern um eine beachtliche Zahl. Männer, Frauen und Jugendliche klagen über Arbeitszeiten, welche die gesetzlich festgelegten Normen bei weitem überschreiten. Leistungsdruck und Arbeitsstress werden zu einer Bedrohung der Gesundheit. … Selbst schwere und eintönige Arbeit wird nicht als Dauerbelastung empfunden, wenn am Arbeitsplatz unter der Belegschaft ein gutes Klima besteht und die einzelnen bei der Betriebsleitung Achtung und Anerkennung finden. … Wir hören aber auch von Enttäuschung und Verbitterung. Nicht wenige klagen über ein schlechtes Betriebsklima. Es bestehen Spannungen und Rivalitäten innerhalb der Belegschaft, Arbeitnehmer werden gegeneinander ausgespielt.
(Aus: Sozialhirtenbrief der katholischen Bischöfe, Wien, 1990, Nr. 29 und 30)

Seit anfangs September bin ich krankgeschrieben und hab immer viel mehr gearbeitet, als ich hätte tun müssen. Über die letzten 3 Jahre hinweg habe ich enorm viel gearbeitet, Einsatz geleistet und meine Arbeit gut gemacht, mit Fehlern, die jeder hat, natürlich. Heute Abend hat mir mein Chef verkündigt, dass er mich rausschmeißt. Ich weiß überhaupt nicht mit der Situation umzugehen, es geht mir sonst schon beschissen... Ich stehe auf solch wackligen Füssen und solch einen Hammer ertrage ich schlicht und einfach nicht noch zusätzlich!
(Aus: Depri.ch Forum: Ich wurde entlassen, abg. 23.4.20016 https://www.depri.ch/f9/wurde-entlassen-26492/ )

Zum Überlegen: Überblick der Katholische Sozallehre, konkrete Arbeitsbedingungen, Personen in der Wirtschaft, Entlassungen, Mobbing im Betrieb.

Arbeit zwischen Mitschöpfung und Selbstzerstörung
Die Fähigkeit seine Welt schöpferisch zu gestalten, gehört zum Wesen des Menschen. Diese Fähigkeit bezeichnet Arbeit in einem umfassenden Sinn. Vielfach jedoch erleben wir Arbeit als entfremdenden Zwang, der den Menschen selbst und seine Welt zerstört. Diese Negativität kann nur durchbrochen werden, wo die Sorge weicht und das Vertrauen den Platz einnimmt.
(Aus: Guggenberger Wilhelm, Arbeit zwischen Mitschöpfung und Selbstzerstörung, Universität Innsbruck 2004, abg. 23.4.2016 https://www.uibk.ac.at/theol/leseraum/texte/539.html)

Sklaven einer Religion der Arbeit?
Das Buch "Arbeit – Die Religion des 20. Jahrhunderts" des Wirtschaftspublizisten Rainer Hank bringt das Problem auf den Punkt. Die Erwerbsarbeit besitzt in unserer modernen Welt einen Heiligenschein. Die Position im Beruf entscheidet über unseren Rang in der Gesellschaft und über unser Selbstwertgefühl. "Wir sind, was wir tun" ist die Kurzformel für diesen modernen Götzendienst. Erst vor diesem Hintergrund wird verständlich, welche zerstörerischen Konsequenzen die Arbeitslosigkeit in unserer Gesellschaft tatsächlich hat. Ohne Beruf sind wir nichts. Während eine steigende Zahl von Menschen verzweifelt nach Arbeit sucht, arbeiten sich gleichzeitig andere Menschen zu Tode. 200.000 Berufstätige sollen allein in Deutschland unter Arbeitssucht leiden.
(Aus: Wolfgang Palaver, Sklaven einer Religion der Arbeit? Universität Innsbruck 2004, abg. 23.4.2016 https://www.uibk.ac.at/theol/leseraum/texte/495.html )

Muße
INTERVIEW mit dem ehemalige Benediktinermönch Anselm Bilgri:
Bei Muße geht es nicht ums Nichtstun, Müßiggang oder gar Langeweile … wer kleinere Übungen in seinen Alltag integriert und Muße einübt, der gewinnt Lebensqualität.
ZEIT ONLINE: Haben Sie ein paar Tipps für den hektischen Berufsalltag?
Bilgri: Einfach mal den Fuß vom Gas nehmen. Gerade wenn im Büro alles auf einen einstürmt, hilft es, den PC ganz bewusst für fünf oder zehn Minuten herunterzufahren und eine Pause einzulegen. Es hilft, einfach aus dem Fenster in die Ferne zu sehen und seine Gedanken schweifen zu lassen.
(Aus: Zeit Online. Arbeit: Muße hat ein schlechtes Image, Interview mit dem ehemalige Benediktinermönch Anselm Bilgri, abg. 23.4.20016 http://www.zeit.de/karriere/beruf/2014-12/arbeit-musse-anselm-bilgri)

Zum Überlegen: Erfahrungen von Arbeit zwischen Mitschöpfung und Selbstzerstörung, Erfahrung von Arbeit, Arbeitssucht, Erhebung der Arbeit zum Götzen. Religion der Arbeit, Angebot der Muße am Sabbat, am Sonntag (Tag des Herrn), im Alltag, Ora et Labora.

b) Der Sonntag

Der Sonntag ist der Tag des Paradieses. Keine Sklavenarbeit darf verrichtet werden. Auch die Tiere dürfen frei von Anstrengung sein. Die Notfälle bringen es aber mit sich, dass am Sonntag Ausnahmen notwendig sind. Notärzte sind unterwegs, die Feuerwehr muss oft ausrücken, die Polizei muss Bereitschaft haben, die Tiere müssen in der Landwirtschaft gefüttert werden und die Kranken müssen gepflegt werden. Ansonsten ist der Sonntag für das Spielen, das Lesen, das sich Treffen, das Feiern und das Nichtstun da. Erinnert wird an den Auszug aus der Sklaverei in Ägypten, besser gesagt an die Vision des Landes, wo Milch und Honig fließt. Die sechs Tage bedeuten Flucht aus Ägypten, Durchzug durch das Rote Meer und Wanderung durch die Wüste und der siebente Tag bedeutet Einzug in das Gelobte Land, wo es 7 wunderbare Früchte gab: Weintrauben, Oliven, Datteln, Granatäpfel, Mandeln, Johannisbrot und Feigen. Die sechs Tage werden symbolisiert mit dem täglichen Brot, das Gott schenkt. Ein ähnliches Brot haben die Israeliten in ihrer 40-jährigen Wanderung von Gott bekommen. Es wurde Manna genannt und könnte aus Koriandersamen hergestellt worden sein. Der siebente Tag wird symbolisiert durch den Wein, den die Israeliten im gelobten Land tranken. Die Propheten kritisierten das maßlose Trinken der Reichen, aber in Maßen genossen war Wein eine Quelle der Ausgelassenheit und Freude. Viele öffneten ihr Herz und erzählten, was ihnen nicht leicht über die Lippen kam: In Vino Veritas – im Wein ist Wahrheit, sagten die alten Römer. Für Juden ist der siebente Tag der Woche der Samstag, den sie Sabbat (Sabbesch) nennen. Die Römer haben über das Nichtstun der Juden den Kopf geschüttelt. Der Verzicht auf Geschäfte war für sie unverständlich. Der Sonntag ist der erste Tag der Woche. Viele Christen sahen sich als freie Menschen, die sich vom Judentum, der Mutterreligion, abnabeln und einen Tag der neuen Schöpfung, die mit der Auferstehung Christi beginnt, einführen konnten. Sie feierten in der Früh des Sonntags die Auferstehung Jesu. Mit der aufgehenden Sonne feierten sie den Sieger über den Tod und mit Jesus das Paradies, das endgültig in der Zukunft kommen wird. Dieses Paradies ist wie ein neuer Himmel und eine neue Erde, es ist wie eine neue Stadt, in der Gott wohnt.

Argumente für und gegen einen arbeitsfreien Sonntag:

  • Arbeitsfrei während der Woche statt am Sonntag, bedeutet mehr Selbstbestimmung und Freiheit für ArbeitnehmerInnen.
  • Es ist eine Zeit, die nicht funktionalisiert ist. So wie Gott sich nicht funktionalisieren lässt
  • Die Erholung nach 6 Tagen fördert die Kreativität einer Volkswirtschaft.
  • In Zukunft muss eine europäische bzw. sogar internationalen Sozialgesetzgebung (Stichwort: Globalisierung), die Menschen vor Ausbeutung schützen und ihre Rechte auf Feiertage und Freizeit wahren. Sonst werden die ArbeitnehmerInnen gegeneinander ausgespielt und unter Druck gesetzt (Stichwort: Billiglohnländer – drohende Arbeitslosigkeit).
  • Eine Gesellschaft, die keine „gemeinsamen freien Zeiten“ mehr kennt, entfernt sich immer weiter voneinander. Familien und Freunde können sich nicht zu gemeinsamen Zeiten treffen, werden einander fremd und vereinsamen.