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lord shivaIm Hinduismus gibt es keine einheitliche und verbindliche Gottesvorstellung. Es werden zahlreiche Götter verehrt. Hinter den vielen Gottheiten (bis zu 300 Mill.) steht aber die Einheit des Göttlichen.
Bild: Shiva

Der letzte Urgrund aller Dinge ist nur ein göttliches Wesen, ein unpersönliches Es, das Brahman. Götter, Menschen und Tiere sind Erscheinungsformen des Brahmans. Darum kann der Hindu alles als göttlich verehren und zugleich an einen Gott glauben. Die drei Hauptgottheiten sind Brahma, Vishnu und Shiva. Brahma gilt als der Schöpfer der Welt, Vishnu als Erhalter der Welt. Vishnu hat sich in verschiedenen Erscheinungsformen und Wiederverkörperungen in Menschen- oder Tiergestalt in dieser Welt geoffenbart. Brahma ist zwar der oberste Gott, hat aber die wenigsten Anhänger. Shiva wird als Weltzerstörer gesehen bzw. als Schöpfer, Erhalter und Zerstörer. Er wird in sehr gegensätzlichen Formen verehrt. Ob diese drei Hauptgottheiten im Austausch mit dem Christentum entstanden, ist unklar. Viele Hindus verehren den Elefantengott Ganesha, der die Weisheit verkörpert. Auch die widersprüchliche Göttin Kali wird in manchen Regionen sehr verehrt.

Wenn eine Familie, eine Kaste oder eine Gruppe nur einen Gott verehrt und die Existenz andere Götter nicht bestreitet wird das Monolatrie genannt. Der Gott Krishna wird meist als die achte Inkarnation (Avatar) von Vishnu verehrt. Die geistige, aber auch erotische Liebe zwischen Krishna und seiner Geliebten Radha sowie den anderen Hirtenmädchen gilt den Hindus als Symbol der Liebe Gottes zum Menschen und der sehnsuchtsvollen Liebe zu Gott (Bhakti).

Vishnu1Vishnuismus: Die wichtigsten Strömungen innerhalb des Hinduismus sind der Vishnuismus und der Shivaismus. Vishnuiten glauben, dass ihr höchster Gott Vishnu sich in zehn Inkarnationen (Avatare) in der Welt manifestiert hat. Vishnu inkarniert sich vor allem dann in der Welt, wenn die kosmische Ordnung (Dharma) gefährdet ist und durch einen göttlichen Helden wieder ins Reine gebracht werden soll. Zu den zehn Inkarnationen zählen auch Rama und Krishna. Die Idee der Inkarnationenlehre ist, dass Vishnu das höchste göttliche Prinzip ist, das alle anderen Gottheiten und die materielle Welt hervorbringt. Einige Schulen des Vishnuismus verkörpern eine monistische Sichtweise, die der Vedanta-Philosophie entspricht. Andere dagegen vertreten eine monotheistische Sicht, z. B. viele Anhänger Krishnas. Im Vishnuismus spielt die Hingabe an einen persönlichen Gott (Bhakti) meist eine größere Rolle als im Shivaismus. Seine Frau ist Lakshmi

Bild: Vishnu

Shivaismus: Die Shivaiten glauben, dass Shiva das höchste Wesen ist, das alle anderen Götter an Macht überragt und sie zudem erschaffen hat. Parvatie ist seine Frau und Ganesha, der Elefantengott sein Sohn. .Shiva ist der Gott der Asketen, der im Himalaya meditiert und in periodischen Zyklen die Welt zerstört, um sie Kraft seines Yogas wieder neu zu schaffen. Shiva wird, mit Ausnahme des Nataraj (als König des Tanzes), fast nie figürlich, sondern in seinem Symbol, dem Lingam, verehrt. In manchen Strömungen des Shivaismus spielt Yoga eine sehr große Rolle.

Tantra und Shakti: Neben Shivaismus und Vishnuismus spielen auch noch die Richtungen des Tantra und des Shaktismus (Verehrung der Göttin Shakti) eine Rolle im Hinduismus.

Heilige Schriften: Der Hinduismus kennt ein reiches religiöses Schrifttum.

Veden: Die ältesten Schriften sind die vier Veden, die zwischen 1000 und 500 v. Chr. niedergeschrieben wurden (Veda = "Wissen"). Jeder der vier Veden hat Kommentare, Deutungen und Erweiterungen der ursprünglichen Glaubenslehre, vor allem rituelle Vorschriften.

Zur jüngsten Textgruppe der Veden gehören die Upanishaden, die ab 800 v. Chr. entstehen. Die Upanishaden zeigen den Weg (Yoga) aus dem Kreislauf der Wiedergeburt (Erlösung von der Wiedergeburt).

Bhagavad-Gita: (= Gesang des Erhabenen), ein Teil des großen Epos Mahabharata. Diese um 300 v. Chr. entstandene Lehrschrift zeigt die verschiedenen Heilswege (verschiedene Yogas) und die Bindung an einen personalen Gott (z.B. Krischna, Vischnu, Schiva, Ganescha)

  1. Klasse, 23: Hinduismus

Der Hinduismus hat zum Unterschied von den monotheistischen Religionen (Judentum, Islam, Christentum) viele Götter aber auch viele religiöse Ausdrucksformen. Im Hinduismus ist die Welt vom Göttlichen durchdrungen. Er ist die ursprüngliche Religion Indiens. Der Glaube an die Wiedergeburt führte zu verschiedenen Erlösungswegen, den Yogas.

Ganesh maharashtraIm Westen werden die Yogas nicht nur als religiöse Übung, sondern auch als sportliche und entspannende Übung praktiziert. Die vielen Götter bilden Familien. Es werden vor allem folgende Hauptgötter verehrt: Der tanzende Shiva, der beschützende Vishnu, der Schöpfergott Brahma und die rächende Göttin Kali. Der Gott der Schüler und Schülerinnen ist der intelligente Elefantengott Ganesha.

Bild: Ganesha

Die Gesellschaft ist in vier Hauptkasten (Varnas) und vielen Unterkasten (Jatis) geteilt. Die 4 Hauptkasten sind die Priester (Brahmanen), die Krieger (Kshatriyas), die Händler (Vaishyas) und die Arbeiter (Shudras). Nicht dazu gehören die Unberührbaren (Parias). Offiziell wurde zwar das Kastenwesen in der Verfassung Indiens abgeschafft; trotzdem regelt jede Kaste nach uralter Tradition die Rechte und Pflichten gegenüber der Gesellschaft. Die Einteilung der Kastenlosen wird besonders durch die Lehre von der Seelenwanderung aufrechterhalten.

Im Laufe der Zeit haben sich so viele Unterkasten (Jatis) gebildet, dass sie kaum noch den vier traditionellen Kasten zugeordnet werden können. Wenn der Hindu den Verpflichtungen seiner Kaste nachkommt, entspricht er dem Dharma, dem ewigen Gesetz. Früher war den Jatis Berufe zugeordnet, heute sind Jatis ein Kriterium für die Partnerwahl. Der Grund sind die Reinheitsregeln, bei denen Berührungen mit Dingen, Tieren und Personen unrein machen können (z.B. Blut).

Alle Gottheiten und Menschen unterliegen dem ewigen Dharma, dem Gesetz der Wirkung (=Karma) allen Tuns. Der Kreislauf der Wiedergeburten (Samsara) engt ein. Hindus möchten diesem Kreislauf entrinnen und in das göttliche Brahman eingehen.

Alle 12 Jahre werden bei heiligen Flüssen (Ganges) die Kumbh Mela Feste gefeiert. 2013 waren 30 Millionen Pilger am Ufer des Ganges. (Info + Video, Video)

  1. Klasse, 23: Die hinduistische Wiedergeburtslehre

Die hinduistische Wiedergeburtslehre war in ihren Ursprüngen vielleicht eine Hoffnung, dass das Leben nicht mit dem Tod zu einem unglücklichen Ende kommt. Es war die Idee, dass der Verstorbene mit einem anderen Körper weiterlebt. Diese Idee verband sich mit einer Vorstellung von Gerechtigkeit,  die sich, wenn sie nicht im hiesigen Leben möglich ist, sich im zweiten Leben ereignet.  Wer schlechte Taten (Karma) hier ansammelt,  wird im zweiten Leben als Tier oder als Sklave geboren. Wenn er aber gute Taten (Karma) sammelt,  wird er im zweiten Leben als Adeliger oder Gott wiedergeboren. Diese Lehre wurde immer mehr verfeinert und ausgebaut,  sodass man annahm, dass das ganze Universum unter diesem Gesetz steht. Dieses Gesetz beherrscht auch alle möglichen Universen. Auch die Götter sind diesem Gesetz, das Dharma genannt wird, unterworfen. Menschen haben die Aufgabe, den Göttern die Opfer zu bringen und die heiligen Riten zu vollziehen. Da sie dem ewigen Kreislauf (Samsara) unterworfen sind, suchten sie nach Erlösung.

Auch die Götter sind dem Dharma und dem Samsara unterworfen.

Erlösung durch Yoga: Hindus fanden vier Wege (Yogas), um dem Kreislauf der Wiedergeburten zu entfliehen: Raja Yoga nennen sich die meditativ orientierten Stufen des Achtgliedrigen Yoga nach Patanjali. Jnana Yoga (Yoga der Erkenntnis, intellektuelle Richtung), Karma-Yoga (Yoga der Tat, des selbstlosen Handelns), Bhakti Yoga (Yoga der Liebe/Verehrung/Hingabe an Gott). Im Westen werden die Yogas nicht nur als religiöse Übung, sondern auch als sportliche und entspannende Übung praktiziert.

Hinduismus und Christentum: Das Christentum mit kennt keine Kasten und sieht Frau und Mann gleichwertig. Witwenverbrennung und Kinderheirat lehnt das Christentum ab. Das II. Vatikanischen Konzils beschreibt in der Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen (Nostra Aetate, Artikel 2) anerkennende Aspekte des Hinduismus: „So erforschen im Hinduismus die Menschen das göttliche Geheimnis und bringen es in einem unerschöpflichen Reichtum von Mythen und in tiefdringenden philosophischen Versuchen zum Ausdruck und suchen durch asketische Lebensformen, tiefe Meditation oder liebend-vertrauende Zuflucht zu Gott Befreiung von der Enge und Beschränktheit unserer Lage.“ Bei allen Unterschieden gibt es bedeutsame Gemeinsamkeiten zwischen Christentum und Vishnuismus in der Lehre von der Inkarnation Gottes und in der Konzeption des seine Schöpfung liebenden Gottes. Bhakti als Gottesliebe und Dienst an Gott und das starke Element der Mystik im Vishnuismus haben bereits mehrfach zu Vergleichen mit christlichen Mystikern geführt.
Quelle: Vatikanisches Archiv, abgerufen am 4.4.2016 http://www.vatican.va/archive/hist_councils/ii_vatican_council/documents/vat-ii_decl_19651028_nostra-aetate_ge.html

Zum Überlegen:

Thesen zum Wahrheitsgehalt von verschiedenen Religionen:

  1. In einigen Religionen gibt es mehr an Wahrheit, in einigen weniger.
  2. Nur eine Religion hat Recht.
  3. Alle haben Recht.
  4. Eine Religion zeigt die Wahrheit, die in anderen Religionen auch vorkommt.

(Siehe 14. Verschiedene religiöse Ausdrucksformen)

These: Der Hinduismus ist vereinigt viele Traditionen von Opferreligionen, wie sie René Girard beschreibt.
(Siehe 14. Verschiedene religiöse Ausdrucksformen)

Weiterführende Literatur: 7. Klasse Religion betrifft S. 124-128, 4. Kl. S. 89

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