Religionsunterricht am Goethe-Gymnasium Wien

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Start 7. Klasse 1.d Erlöser Jesus Christus 1.6 Erlösung und Befreiung

1.6 Erlösung und Befreiung

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Moses vor dem brennenden Dornbusch erhält den AuftragEs war eine Erlösung, als Gott die Israeliten aus der Gefangenschaft in Ägypten befreit hatte. Für die Israeliten war dies eine Befreiung aus Sklaverei und Zwangsarbeit. Sehr oft wurden die Menschen durch Schulden in die Sklaverei getrieben. Für Ägypten waren die Hebräer willkommene Arbeiter ihrer Großprojekte. Die Hebräer kamen nach Ägypten, weil sie wegen der Kriege oder wegen den oft geringen Niederschlägen ins fruchtbare Land flohen. Die Arbeit als Sklaven war für die Israeliten katastrophal. Sie konnten ihre Feste nicht mehr feiern und waren in Lagern ohne Aussicht auf Freiheit bis zu ihrem Lebensende eingesperrt.

Hier zeigte sich Gott als befreiender Gott, der sie aus dem Gefängnis befreite.

 

Diese Befreiung wurde für die Israeliten aber auch ein Auftrag. Fremde, die in ihrem Gebiet siedelten, mussten gut behandelt werden. Gäste mussten als Freunde betrachtet werden. Israelische Sklaven mussten jedes 7. Jahr entlassen werden. Schulden mussten ebenfalls in jedem 7. Jahr, dem Sabbatjahr, erlassen werden. Das, was Gott machte, musste auch „sein“ Volk tun. Gott erlöste und die Israeliten mussten auch erlösen. Diese menschlichen Erlösungsaktionen wurden in Gesetze gefasst.

Die 10 Gebote sind solch erlösende Gebote:

Die 10 Gebote1. Zuerst gilt es, seine Sehnsucht auf Gott zu richten und nicht auf ein Ding oder ein Lebewesen dieser Welt. Das 9. und 10. Gebot gibt dieselbe Richtung an: Begehre nicht deines Nächsten Frau oder Gut. Gott allein zu begehren erlöst von Irrtümern, die Kriege und Katastrophen verursachen.

Diese Erlösung heißt auch, sich von diesem Gott, den man so heiß begehrt, kein Bild zu machen. Wer sich ein Bild von diesem unvorstellbaren Gott macht, kann den wirklichen Gott nicht lieben. Es wird nur das Bild geliebt und eine lebendige Beziehung ist nicht möglich.

2. Die zweite Erlösung heißt, den Namen Gottes nicht missbrauchen, weil man sich sonst in einer Sicherheit wiegt, die zum Gefängnis wird. Einige können denken, wenn sie den Namen Gottes kennen, haben sie Macht über ihn. Gott hat seinen Namen Jahwe geoffenbart, damit wir wie Moses andere befreien und nicht, damit wir Macht über ihn haben.

3. Die dritte Erlösung heißt, an 52 Tagen des Jahres die Arbeitswut zu unterlassen und den Menschen Freiheit zu geben. Am Sabbat oder am Sonntag werden die gemeinsame Erlösung und das gemeinsame Paradies gefeiert.

4. Die vierte Erlösung heißt, sich nicht besser vorkommen als Alte, Kranke und Behinderte. Gott erlöst uns von der Selbstgerechtigkeit, sich besser zu denken als der Andere und die Solidarität mit den Alten und Schwachen zu vergessen.

5. Die fünfte Erlösung heißt, sich befreien zu lassen von der Gewalt. Sie erscheint als schnelle Lösung optimal, ist aber in der Auswirkung katastrophal. Sie zerstört Menschen und ist ungemein ansteckend. Gott schickt seinen Sohn, der Gewaltfreiheit vorlebt.

6. Die sechste Erlösung heißt, dass Gott uns von der Sexsucht und dem Götzen des Sexes befreit, sodass wir mit einem Partner in Liebe und Treue leben können. Er befreit uns davor, uns in den Beziehungen sexuelle Bestätigung holen zu müssen.

7. Die siebente Befreiung heißt, dass wir uns von Gott beschenken lassen und nicht gierig oder neidisch auf Sachen sein müssen, die andere haben oder begehren.

8. Die achte Befreiung ist die Erlösung von einer Lügenwelt, die wir selber aufgebaut haben und die uns von der Wirklichkeit, der Wahrheit und damit von der Liebe Gottes trennt.

9. und 10.: Die zwei letzten Erlösungen sind identisch mit der ersten. Nicht auf Dinge, Tiere oder Menschen sollen wir unser Begehren richten, sondern auf den unsichtbaren und lebendigen Gott.

Diese Befreiungen und Erlösungen haben die israelitischen und jüdischen Propheten immer eingemahnt und vor dem Gefängnis, den Süchten und der Sklaverei gewarnt. Sie sagten einen Messias voraus, der die Erlösung auf solidere Basis stellen wird.

Jesus Sohn Gottes und Bruder allerDies erleben wir mit dem Messias Jesus, dem Sohn Gottes. Bei ihm wurde die Erlösung auf eine gute Basis gestellt, indem Gott selber ein Vorbild, ein Mensch und ein Erlöser wurde.

Dieser Mensch gewordene Gott befreite von Krankheiten und heilte die Kranken und sah darin die nachgehende Liebe seines göttlichen Vaters. Den Kranken sagte er oft: „Dein Glaube hat dir geholfen.“ Es geht dabei auch um eine Erlösung, die Menschen selber bewirken können, indem sie ihre Sehnsucht auf Gott ausrichten. Diese Sehnsucht hat auch Jesus auf seinen Vater ausgerichtet und in dieser Liebe zum Vater konnten er, sein Vater und der Heilige Geist vieles bewirken. Die Menschen, denen er begegnete, konnte er ein heilender Bruder sein.

Er wurde zum offenen Tor, das den Blick auf Gottes Herrlichkeit freigibt. Jesus wurde der Offenbarer von Gott. Er zeigte uns, wie Gott handelt. Er erlöst uns von Angst und Einsamkeit. Er überbrückt unsere Gottferne und ist uns ganz nah. Wir sind dadurch nicht mehr von allen guten Geistern verlassen.