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  1. Klasse 15: Franz von Assisi
  2. Jugend: Franz von Assisi wurde 1182 zu Assisi in Umbrien geboren, starb 1226 und wurde bereits 1228 von Gregor IX., der ihm den Namen Pater seraphicus beilegte, heiliggesprochen.

Sein Vater, Pietro Bernardoni, war ein reicher Kaufmann und gehörte zu dem Bürgeradel der Stadt Assisi. Sein Handel scheint sich besonders auf Südfrankreich erstreckt zu haben, woraus sich erklären mag, dass der Sohn später bei Ausbreitung seines Ordens dort zuerst festen Fuß fasste und dieses Land, dessen Sprache er bewundernswert beherrschte, predigend durchzog. Seinen Namen Francesco (Französlein) soll er von dieser Fähigkeit, sich französisch auszudrücken, bei seiner Firmung erhalten haben, während er auf den Namen Giovanni Paul getauft ist.

            In seiner Jugend der Welt und deren Freuden zugetan, wurde er von „fleischlichen“ Anfechtungen aller Art heimgesucht, wie er einem seiner Biographen, dem Bruder Leo, gestand. Eine schwere Krankheit erschöpfte, als er vierundzwanzig Jahre war, seinen Körper und brachte zugleich in seiner Seele eine besondere Empfänglichkeit für Reue und Umkehr von seinem früheren Leben hervor. Seit dieser Zeit war er mit himmlischen Erscheinungen beschenkt, die ihn zu dem Beruf eines Bekenners und Wiederaufrichters des Evangeliums zu bestimmen schienen.

  1. Berufung: Eines Tages betete er in der zerfallenen Kirche von San Damiano vor der Stadt, als eine Stimme vom Kruzifix ihn also anrief: „Franziskus, geh und richte mein Haus von neuem auf welches, wie du siehst, in Trümmer fällt“. Franz, der nichts besaß, um diesen Befehl, den er völlig wörtlich nahm, auszuführen, fand es ganz einfach und berechtigt, ¾ der Waren seines Vaters zu opfern. Er nahm davon, soviel er brauchte, machte sie wie auch sein eigenes Pferd in einer benachbarten Stadt zu Geld und brachte den Erlös dem Priester von San Damiano zum Wiederaufbau des Gotteshauses. Dieser lehnte es ab; aber Franz warf es durch ein Fenster in die Kirche.
  2. Konflikt mit Vater: Sein Vater nahm an diesem Verhalten Anstoß und suchte ihn zur Vernunft zu bringen. Vergebens. Schließlich willigte er ein, ihm seinen Willen zu lassen, wenn er auf jedes Erbrecht an seinem Vermögen verzichte. Um diesen Verzicht zu bekräftigen, führte er den Sohn vor den Bischof. Dort entledigte sich Franz aller seiner Kleider und gab sie seinem Vater zurück mit den Worten: „Bis hierher habe ich Euch meinen Vater auf Erden genannt; von nun ab aber darf ich kühn sagen: Mein Vater, der du bist im Himmel, in den ich all mein Haben und Hoffen setze.“ Der Bischof zu Tränen gerührt, deckte ihn mit seinem Mantel (1206) zu.
  3. Arbeiten und Betteln: Glücklich, nichts mehr in der Welt zu besitzen, diente Franz einige Zeit in Klöstern, Aussätzigenhäusern und Kirchen. Bei einer nicht fern von Assisi in der Tiberebene gelegenen alten Kirche, Santa Maria degli Angeli, die er durch Spenden, welche er erbettelte, in Stand hielt, zog er sich in eine aufgegebene Benediktinerniederlassung, genannt Portiunkula. Diese Zelle oder Einsiedelei wurde sein Lieblingsaufenthalt.
  4. Keine Schuhe, keinen Stab, keine Tasche, keinen Gürtel und kein Geld: In jener Kirche aber hörte er die Aussendungsrede Jesu: „Geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe. Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben. Steckt nicht Gold, Silber und Kupfermünzen in euren Gürtel. Nehmt keine Vorratstasche mit auf den Weg, kein zweites Hemd, keine Schuhe, keinen Wanderstab; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Unterhalt.“(Mt 10,6-10). Franz nahm diese Worte wie ein auf ihn zielendes göttliches Gebot auf, warf seine Schuhe, seine Kleider, die er unter der Kutte trug, seinen Stab, seinen Ledergürtel ab und wand einen Strick um den Leib, damit er sicher sei, nie Geld mit sich tragen zu können. Dann machte er sich auf, den verlorenen Kindern Gottes zu predigen. Und es war die Armut des Evangeliums, die er predigte. Einfach waren seine Worte; aber eine glühende Überzeugung machten sie eindringlich, gewaltig, hinreißend. Sein eigenes Beispiel in aller seiner Sinnfälligkeit gab ihnen ein wunderbares Gewicht.
  5. Jünger und Anhänger: Seine drei ersten Jünger (Schüler) waren Bernhard von Cinquevalle, ein reicher und angesehener Mann aus Assisi, Pietro von Catana, ein Mönch, und Egidius, ein frommer, aber ungebildeter Mann, ebenfalls aus Assisi. Sie verkauften alles, was sie besaßen, gaben den Erlös den Armen und bekleideten sich mit dem Gewand der Armut, wie es Franz trug (16. August 1209). Von diesem Tage rechnet man die Gründung des Ordens. Die Anhänger der Armut mehrten sich, sie wohnten in Strohhütten bei Santa Maria degli Angeli und gingen nur aus, um zu betteln und zu predigen. Die ursprüngliche Regel, die ihnen Franz gab, war aus großen Teilen der Bergpredigt zusammengesetzt (Matthäus 5-7). Die Gelübde waren die gewöhnlichen der Mönche: Gehorsam, Keuschheit, Armut; diese im allerbuchstäblichsten Sinn.
  6. 7. Rom und der Papst: Noch im selben Jahre (1209) begab sich Franziskus nach Rom, um für sein Vorhaben die päpstliche Genehmigung zu erwirken. Innozenz III., anfangs abgeneigt, gestattete ihm fortzufahren, nach seiner Weise zu predigen, was er ihm mündlich bestätigte. Seit seiner Rückkehr aus Rom gab Franz dem Orden den Namen „Minoriten“, der Mindesten im Reich Gottes. Im Jahre 1215 auf dem Lateranischen Konzil bestätigte Innozenz die Regel der Minoritenbrüder. Papst Honorius III. hat dann den Orden anerkannt (1223).
  7. Clarissinnen: Als genaue Parallele zu den Armen Brüdern gründete Franz im Jahre 1212 einen zweiten Orden, den der Armen Schwestern oder Clarissinnen, so genannt nach Santa Clara, welche die erste von Sankt Franziskus aufgenommene Oberin des Schwesternordens war.
  8. Aussendung der Jünger: Unterdessen wuchs die Zahl der Brüder. Gemäß dem Vorbild Christi sandte Franz sie zwei und zwei in die Welt zur Predigt der Umkehr. Klöster wurden nicht nur in Italien, sondern in Frankreich, Spanien und England gegründet, wogegen Deutschland sich gegen die ersten Missionare ablehnend verhielt. Im Jahre 1219 berief Franz das erste Generalkapitel des Ordens, an dem über 5000 Brüder erschienen. Er verteilte die Welt zur Bekehrung unter seine Jüngern und behielt er sich selbst und zwölf Gefährten Syrien und Ägypten zur Mission.
  9. Kreuzzug: Noch in demselben Jahr begab er sich vor Damiette im Nildelta (Ägypten), wo das Kreuzzugsheer eine Niederlage erlebte, die er vorausgesagt hatte. In der Hoffnung auf ein Wunder oder das Martyrium ließ er sich gefangen nehmen und vor den Sultan Aladin schleppen, dem er anbot, die Wahrheit seines Glaubens auf dem Scheiterhaufen zu erweisen. Mit dem Großmut der Sultane gegenüber eines ihnen fremden Glaubens behandelte ihn Aladin mit Wohlwollen und bewilligte ihm die Wache über das Heilige Grab, das seitdem den Franziskanern anvertraut ist.
  10. Ein dritter Orden, die „Franziskanische Gemeinschaft“ wurde in späteren Jahren gegründet. Die Mitglieder (z.B. Columbus, Thomas Morus, Franz Jägerstätter, Franz Liszt, Papst Johannes XXIII., Michelangelo) orientieren sich an der Spiritualität von Franziskus, treten aber nicht in den Orden ein.
  11. Ordensregel: Es wurden, um die Bestätigung des eigentlichen Ordens durch Honorius (1223) zu erlangen, die ursprünglichen dreiundzwanzig Kapitel der Ordensregel auf zwölf reduziert und in vielen Punkten gemildert, sehr gegen den Willen des Stifters, der sich mehr und mehr zurückzog.
  12. Vision und Stigma: Im Jahre 1224 zog Franz sich in die Wildnis des Berges La Vernia (Alvernia) im oberen Arnotal zurück, wo er sich in einer Einsiedelei des dort für ihn gegründeten Klosters ganz in die Betrachtung der Passion Christi vertiefte. Wie die meisten selbst scheinbar unbedeutenden Handlungen in seinem Leben, machte er dies auf göttliche Weisung. Am Tag der Kreuzerhöhung (Tag der Erinnerung an das Auffinden des Kreuzes Jesu durch Kaiserin Helena am 14. September 350) hatte Franziskus auf dem Berge die Vision eines sechsflügeligen feurigen Seraphs (Engel), in dessen durchsichtiger Glut der Gekreuzigte ihm erschien. Während dieser Vision wurden ihm die fünf Wundmale Christi eingedrückt, die er jedoch während seiner Lebzeiten zu verbergen suchte, so dass man erst nach seinem Tode davon sprach. Dies bewirkte den Zweifel einiger Misstrauischer, als seien die heiligen Wundmale erst dem Leichnam aufgedrückt worden. Durch diese Stigmatisierung bekam er den Namen „Franziskus Seraph.“ Berühmt wurde auch sein Sonnengesang (Bruder Sonne, Schwester Mond).
  13. Krankheit und Tod: Nach einer vierzigtägigen Abgeschiedenheit auf dem Berge kehrte Franz in die Portiunkula zurück, wo er noch zwei Jahre verbrachte. Schwere Krankheiten, besonders ein sehr schmerzhaftes Augenleiden, setzten dem zarten Körper zu. So starb er am 4. Oktober 1226.
  14. Sein Orden war damals schon über ganz Europa verbreitet. Eine Zählung im Jahre 1264, also fünfzig Jahre nur nach seiner Gründung, nennt 8000 Klosterniederlassungen in 33 verschiedenen Ländern und berechnet 20.0000 Mitglieder. Die Franziskaner lebten meist mitten in den Städten und mitten unter dem einfachen Volk. Viele Formen der Volksfrömmigkeit gehen auf sie zurück (z.B. die Weihnachtskrippe und der Kreuzweg). Sie pflegten die Kranken und betreuten Arme und Notleidende. Daneben pflegten sie die Wissenschaften und eine lebendige Theologie. Es gibt drei franziskanische Orden: Die Minoriten (OFMConv Ordo fratrum minorum conventualium), denen gemeinschaftlicher Besitz erlaubt ist. Sie sind an ihrem schwarzen Habit zu erkennen. Die Franziskaner (OFM) (Ordo fratrum minorum (regularis observantiae)) streben eine möglichst enge Befolgung der Franziskusregel an und tragen einen braunen Habit. Mit weltweit derzeit rund 18.000 Brüdern bilden sie die größte Gruppe. Ebenfalls braun gekleidet sind die Kapuziner (OFMCap), eigentlich Orden der Minderen Brüder Kapuziner, die bekannt sind für Stille und ihren Einsatz für Randgruppen (Obdachlose). Die Kapuze des Habits weicht in der Form von der der Franziskaner und Minoriten ab und ist direkt am Habit (Ordensmantel) befestigt.

Zwei Gebete von Franz:
1. O Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens, dass ich Liebe übe, wo man sich hasst, dass ich verzeihe, wo man sich beleidigt, dass ich verbinde, da, wo Streit ist, dass ich die Wahrheit sage, wo der Irrtum herrscht, dass ich den Glauben bringe, wo der Zweifel drückt, dass ich die Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält, dass ich ein Licht anzünde, wo die Finsternis regiert, dass ich Freude mache, wo der Kummer wohnt. Herr, lass du mich trachten: nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste; nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe; nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe. Denn wer da hingibt, der empfängt; wer sich selbst vergisst, der findet; wer verzeiht, dem wird verziehen; und wer stirbt, erwacht zum ewigen Leben.

2. Höchster, allmächtiger, guter Herr, dein sind der Lobpreis, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen. Dir allein, Höchster, gebühren sie, und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen. Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen, zumal dem Herrn Bruder Sonne; er ist der Tag, und du spendest uns das Licht durch ihn. Und schön ist er und strahlend in großem Glanz, dein Sinnbild, o Höchster. Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Mond und die Sterne; am Himmel hast du sie gebildet, hell leuchtend und kostbar und schön. Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken und heiteren Himmel und jegliches Wetter, durch das du deinen Geschöpfen den Unterhalt gibst. Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Wasser, gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch. Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Feuer, durch das du die Nacht erleuchtest; und schön ist es und liebenswürdig und kraftvoll und stark. Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde, die uns ernähret und lenkt (trägt) und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter. Gelobt seist du, mein Herr, durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen und Krankheit ertragen und Drangsal. Selig jene, die solches ertragen in Frieden, denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt werden. Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, den leiblichen Tod; ihm kann kein lebender Mensch entrinnen. Wehe jenen, die in schwerer Sünde sterben. Selig jene, die sich in deinem heiligsten Willen finden, denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun. Lobt und preist meinen Herrn und sagt ihm Dank und dient ihm mit großer Demut. („Sonnengesang“)

Weiterführende Literatur: a) Das radikale Leben Simone Weils (6. Klasse S. 30) b) Martin Luther King (6. Klasse S. 60) c) Benedikt von Nursia (7. Klasse Mönche und Nonnen S. 144), d) Theresa von Lisieux (7. Klasse) e) Dorothy Day (7. Klasse S. 150)

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