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Kategorie: Matura, mündliche Reifeprüfung (Ö) 24 Themen
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  1. bantu05Klasse 25 Indigene Religionen: Die indigenen Völker sind meist Minderheiten in entlegenen Gebieten wie die Inuits (Eskimo) in der Arktis oder wie die Indios im Amazonasgebiet. Sie können aber auch in zentralen Gebieten wohnen wie die Indianer Nordamerikas oder die Fulbe in Afrika.

Bei diesen schriftlosen Religionen gibt es viele Geister der Natur oder von Verstorbenen. Mit magischen Ritualen werden verborgene Kräfte bewegt, in Initiationsriten wird in Gruppen eingeführt, mit Abwehrritualen wird Unglück vermieden, Schamanen haben Kontakt mit den Geistern, Sagen und Mythen erzählen vom Anfang der Welt, von Schuld, Sühne, Kämpfen und vom Jenseits.
Bild: Bantufrau im traditionellen Kleid

Natur- und Stammesreligionen: Die Inuit (Eskimos) und Angakok, der Schamane

Bei den Inuit gab es Männer und Frauen, die besondere Fähigkeiten besaßen. Sie konnten mit der Welt der Geister und Götter in Kontakt treten. Meist kündigt sich diese Fähigkeit in Träumen an. Der angehende Angakok zog sich in Einsamkeit zurück und fastete, bis er vor seinem inneren Auge seinen persönlich Schutzgeist, meist in Form eines Tieres, sah. Ältere Schamanen halfen bei der Deutung der Visionen. Bei Hungersnot oder Krankheit versammelte der Schamane alle in einer Hütte. Mithilfe der Trommel und rhythmischer Atmung versetzte er sich in Ekstase und verschmolz mit seinem Schutzgeist. Für die Außenstehenden wurde er zu dem Wesen, dessen Maske er trug. Währenddessen sangen die Mitglieder der Jagdgruppe und dachten darüber nach, wie sie die Geister beleidigt hatten. Wenn der Angakok aus der Trance erwachte, schrien alle ihre Vergehen heraus. Der Schamane erzählte dann, was er bei den Geistern erlebt hatte. Ein Schamane der Inuit erzählt: „Ja, ich glaube an eine Kraft, die wir Sila nennen. Ein starker Geist, der Erhalter des Universums, des Wetters, ja des ganzen Erdenlebens – so gewaltig, dass seine Rede zu Menschen nicht durch gewöhnliche Worte hörbar wird, sondern durch Stürme, Schneefall, Regenschauer, Meeresaufruhr, durch all die Kräfte, vor denen der Mensch Furcht hat. Die Kinder hören eine feine und schüchterne Stimme. Sie spricht zu ihnen im Ton eines Geheimnisses, sie hören, dass Gefahr droht. Die Kinder erzählen es zu Hause. Dann ist es Sache der Geisterbeschwörer, Vorkehrungen zu treffen, die vor einem drohenden Unglück schützen können.“

AztekenOpferreligion. 7. Klasse 6: René Girard erklärt in seiner mimetischen Theorie die Entstehung der Opferreligion. Begehren führt zu Rivalität, Gewalt und Ausstoßung. Wenn die Grundbedürfnisse gestillt sind, sucht der Mensch danach, was er noch alles begehren könnte. Er sieht andere, die etwas begehren und begehrt es auch. Er ahmt das Begehren eines anderen nach. William Shakespeare erzählt: Valentin erzählt überschwänglich seinem Freund Proteus von seiner großen Liebe, der „göttlichen“ Silvia. Wäre er sich der Liebe sicher, müsste er seinen Freund von den Vorzügen Silvias nicht überzeugen. Proteus verliebt sich unsterblich in Silvia. Er wird zum Rivalen von Valentin und die Freundschaft ist zerbrochen. Proteus spinnt sogar eine Intrige, sodass Valentin fliehen muss. Der französisch-amerikanische Kulturwissenschaftler René Girard hat die Auswirkung dieser Rivalität untersucht und entwickelte die mimetische Theorie. Mimetisch heißt nachahmend. Im Nachahmen des Begehrens wird der Mensch ein Rivale des anderen. Es kommt zum Streit und zum Kampf. Es schließen sich Bündnispartner an und einer von den Rivalen wird ausgestoßen (ähnlich dem Mobbing oder Bullying). Das Ausstoßen eines Menschen aus der Gemeinschaft schließt die anderen zusammen. Sie erleben diese gemeinsame Tat als Beginn einer Friedenszeit. Obwohl sie gewalttätig nach außen waren, erlebten sich die Gruppenmitglieder untereinander als neue Freunde.

Bild: Menschenopfer bei den Azteken 1195-1522 n. Chr

Dieses Ausstoßen eines Menschen, der sogenannte Sündenbockmechanismus wird jetzt wiederholt. Es kommt zum Ritual mit festgelegten Regeln. Es werden Personen gesucht, die geopfert werden. Es können Verbrecher sein, Kriegsgefangene oder völlig Unschuldige. Die Menschenopfer werden im Laufe der Zeit durch Tieropfer (und durch Pflanzenopfer) ersetzt. Die Menschen begehen die ritualisierten Opfer, damit ihre Rivalität, die durch das nachahmende Begehren ausgelöst wird, nicht ausbricht. Sie sind dem ersten Opfer der Ausstoßung dankbar, dass er ihnen den Frieden gebracht hat. Er wird zum Helden, eventuell auch zu Gott. Ein indischer Mythos erzählt, dass die Götter den Urriesen Purusha töteten und die Leiche zerstückelten. Aus den Teilen wurden die Kasten. Die gebildeten Brahmanen aus seinem Kopf, die Krieger aus seinen Armen, aus den Hüften die Bürger und aus den Füßen die Arbeiter. Durch die Opfer wird die Gesellschaft von oben bis unten geordnet. Eine gesellschaftliche Ordnung verringert die Rivalität.

  1. Klasse 12: Die Wahrheit der Religionen

Wahrheit1Welche Religion hat die Wahrheit?

Der Exklusivismus:

In der religionstheologischen Diskussion hat sich vor allem die Einteilung in drei Grundtypen der Verhältnisbestimmung zwischen den Religionen durchgesetzt: 1. Exklusivismus, 2. Inklusivismus und 3. Pluralismus. Der Exklusivismus geht von der Vorrangstellung der eigenen Religion aus und sieht in ihr den einzigen (exklusiven) Zugang zur letzten göttlichen Wirklichkeit gegeben. Die anderen Religionen haben nach dieser Auffassung keinen Anteil an der Wahrheit. Auf das Christentum bezogen bedeutet dies, dass Gott sich in Jesus Christus für alle Menschen mitgeteilt hat. Diese Grundaussage begründet zugleich den missionarischen Anspruch des Christentums. Der Exklusivismus ist gewissermaßen die Steilvorlage, die in der Praxis spätestens dann Probleme aufwirft, wenn man Menschen aus anderen Kulturkreisen trifft, die keine Christen sind, aber dennoch ein ehrbares und anständiges Leben führen. Sollten diese für die Hölle bestimmt sein? Typischer Sprüche des Exklusivismus: „Außerhalb der Kirche gibt es kein Heil.“ „Ungläubige kommen in die Hölle.“

Wahrheit2Der Inklusivismus

Diesem Problem begegnet die Auffassung des Inklusivismus. Sie hält an der Vorrangstellung der eigenen Religion fest, kann aber anderen Religionen auch Anteile an der Wahrheit zugestehen. Diese sind umso größer, je näher die andere Religion zur eigenen steht. Der Inklusivismus ist gewissermaßen die offizielle röm.-kath. Religionstheologie seit dem II. Vatikanischen Konzil: „Wer nämlich das Evangelium Christi und seine Kirche ohne Schuld nicht kennt, Gott aber aus ehrlichem Herzen sucht, seinen im Anruf des Gewissens erkannten Willen unter dem Einfluss der Gnade in der Tat zu erfüllen trachtet, kann das ewige Heil erlangen“ (Vat. II., LG 16). Dies erübrigt nicht die Mission, kann aber auch Positives in anderen Religionen anerkennen.

 

Der Pluralismus

Wahrheit3Die pluralistische Religionstheologie geht noch einen Schritt weiter und behauptet, dass die verschiedenen Religionen gleichermaßen wahr sind. Eine pluralistische Religionstheologie ist nur um den Preis erheblicher Zugeständnisse im Bereich der Logik durchzuhalten und verstellt oft den Blick auf die tatsächlichen Glaubensinhalte der verschiedenen Religionen. Pluralismus verhindert interreligiösen Dialog. Der These, dass nur mit einer pluralistischen Religionstheologie interreligiöser Dialog möglich wäre, muss deutlich widersprochen werden. Das Gegenteil scheint stattdessen der Fall zu sein. Wie kann etwas wahr sein, was in einer anderen Religion richtig ist. Wie Prof. A. Feldtkeller herausgestellt hat, treffen in einem interreligiösen Dialog nicht einfach zwei Religionen aufeinander. Vielmehr begegnen sich zwei Menschen, von denen jeder mit seiner eigenen Religiosität in einem Stellvertreterverhältnis zu seiner Religion steht. Um etwas von der Religion des Gegenübers zu verstehen, muss man sich darauf einlassen können. Wer meint, alle haben gleich Recht, stellt sich auf einen dritten Standpunkt und behauptet etwas über verschiedene Religionen mit gegensätzlichen Überzeugungen, dass sie Recht haben. Es gibt Gemeinsamkeiten und Trennendes. Es kann sogar sein, dass das Trennende größer ist als das Gemeinsame. „Gott hält sich treu an seinen Bund“ sagt das Judentum. „Gott bricht seine Versprechen, wie er gerade will.“ sagt der Islam. Diese gegensätzlichen Überzeugungen lassen sich nicht mit „Beide sind wahr“ aufheben.

Religiöse Wahrheit und Nächstenliebe: Die Ablehnung einer pluralistischen Religionstheologie bedeutet nicht, dass man Vertretern anderer Religionen mit rechthaberischer Arroganz oder gar gewaltsamer Unduldsamkeit begegnen dürfe. Ich kann den Anderen wohlwollend respektieren und trotzdem seine Religion ablehnen.

Zum Überlegen

Die Beziehung zwischen Mensch und Gott im Psalm
BeterHERR, du hast mich erforscht und kennst mich.
Ob ich sitze oder stehe, du kennst es. Du durchschaust meine Gedanken von fern.
Ob ich gehe oder ruhe, du hast es gemessen. Du bist vertraut mit all meinen Wegen.
Ja, noch nicht ist das Wort auf meiner Zunge, siehe, HERR, da hast du es schon völlig erkannt.
Von hinten und von vorn hast du mich umschlossen, hast auf mich deine Hand gelegt.
Zu wunderbar ist für mich dieses Wissen, zu hoch, ich kann es nicht begreifen.
Wohin kann ich gehen vor deinem Geist, wohin vor deinem Angesicht fliehen?
Wenn ich hinaufstiege zum Himmel - dort bist du; wenn ich mich lagerte in der Unterwelt - siehe, da bist du.
Nähme ich die Flügel des Morgenrots, ließe ich mich nieder am Ende des Meeres,
auch dort würde deine Hand mich leiten und deine Rechte mich ergreifen.
Würde ich sagen: Finsternis soll mich verschlingen und das Licht um mich soll Nacht sein!
Auch die Finsternis ist nicht finster vor dir, die Nacht leuchtet wie der Tag, wie das Licht wird die Finsternis.

Du selbst hast mein Innerstes geschaffen, hast mich gewoben im Schoß meiner Mutter.
Ich danke dir, dass ich so staunenswert und wunderbar gestaltet bin. Ich weiß es genau: Wunderbar sind deine Werke.
Dir waren meine Glieder nicht verborgen, / als ich gemacht wurde im Verborgenen, gewirkt in den Tiefen der Erde.
Als ich noch gestaltlos war, sahen mich bereits deine Augen.
In deinem Buch sind sie alle verzeichnet: die Tage, die schon geformt waren, als noch keiner von ihnen da war.
Wie kostbar sind mir deine Gedanken, Gott! Wie gewaltig ist ihre Summe!
Wollte ich sie zählen, sie sind zahlreicher als der Sand. Ich erwache und noch immer bin ich bei dir.
Wolltest du, Gott, doch den Frevler töten! Ihr blutgierigen Menschen, weicht von mir!
Sie nennen dich in böser Absicht, deine Feinde missbrauchen deinen Namen.
Sollen mir nicht verhasst sein, HERR, die dich hassen, soll ich die nicht verabscheuen, die sich gegen dich erheben?
Ganz und gar sind sie mir verhasst, auch mir wurden sie zu Feinden.
Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz, prüfe mich und erkenne meine Gedanken!
Sieh doch, ob ich auf dem Weg der Götzen bin, leite mich auf dem Weg der Ewigkeit!
(Psalm 139,1b-24. Aus: Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift. Abgerufen 02.09.2019. https://www.bibleserver.com/text/EU/Psalm139) Auch: Gott und Gebet

 

Aus der Gemeinschaft ausgestoßen. Gebet zum Retter Gott
Beter1Aus der Bedrängnis rief ich zum HERRN, der HERR antwortete und schuf mir Weite.
Der HERR ist für mich, ich fürchte mich nicht. Was können Menschen mir antun?
Der HERR ist für mich, er ist mein Helfer; ich kann herabschauen auf meine Hasser.
Besser, sich zu bergen beim HERRN, als zu vertrauen auf Menschen.
Besser, sich zu bergen beim HERRN, als zu vertrauen auf Fürsten.
Alle Völker umringten mich, ich wehrte sie ab im Namen des HERRN.
Sie umringten, ja, sie umringten mich, ich wehrte sie ab im Namen des HERRN.
Sie umringten mich wie Bienen, sie verloschen wie ein Feuer im Dorngestrüpp; ich wehrte sie ab im Namen des HERRN.
Du stießest mich, ja, du stießest mich, dass ich stürzte, doch der HERR hat mir geholfen.


Meine Stärke und mein Lied ist der HERR; er ist für mich zur Rettung geworden.
Schall von Jubel und Rettung in den Zelten der Gerechten:
Die Rechte des HERRN, Taten der Macht vollbringt sie,
die Rechte des HERRN, sie erhöht, die Rechte des HERRN, Taten der Macht vollbringt sie.
Ich werde nicht sterben, sondern leben, um die Taten des HERRN zu verkünden.
...
Betende1Ich will dir danken, dass du mir Antwort gabst, du bist mir zur Rettung geworden.
Ein Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden.
Vom HERRN her ist dies gewirkt, ein Wunder in unseren Augen.
Dies ist der Tag, den der HERR gemacht hat; wir wollen jubeln und uns über ihn freuen.
Ach, HERR, bring doch Rettung! Ach, HERR, gib doch Gelingen!
Gesegnet sei, der da kommt im Namen des HERRN! Wir segnen euch vom Haus des HERRN her.
Gott ist der HERR. Er ließ Licht für uns leuchten.
Tanzt den Festreigen mit Zweigen bis zu den Hörnern des Altars!
Mein Gott bist du, dir will ich danken. Mein Gott bist du, dich will ich erheben.
Dankt dem HERRN, denn er ist gut, denn seine Huld währt ewig!
(Psalm 118, 5-17.21-29. Aus: Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift. Abgerufen 02.09.2019. https://www.bibleserver.com/text/EU/Psalm118)

 

Die Umdrehung des Opfers
Brot und WeinDer katholische Gottesdienst und die Umdrehung des Opfers in der Mahlfeier (Eucharistie). Gott macht sich selbst zum Opfer. Die Wandlung im Hochgebet: 
Darum bitten wir dich: Sende deinen Geist auf diese Gaben herab und heilige sie, damit sie uns werden Leib und Blut deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus.
Denn am Abend, an dem er ausgeliefert wurde und sich aus freiem Willen dem Leiden unterwarf, nahm er das Brot und sagte Dank, brach es, und reichte es seinen Jüngern und sprach:
Nehmet und esset alle davon: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.
Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch, dankte wiederum, reichte ihn seinen Jüngern und sprach:
Nehmet und trinket alle daraus: Das ist der Kelch des Neuen und Ewigen Bundes, mein Blut, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Tut dies zu meinem Gedächtnis.
(Aus: Gotteslob, Stuttgart, 2013, Nr.588/5) Auch: Eucharistie in Christliches Leben

Ein gemeinsamen Festessen in einer Familie.

Zu Weihnachten gibt's ein 4-Gänge-Menü! Ente, Rotkohl und Knödel: Diese klassische Kombination steht im Mittelpunkt bei diesem traditionellen 4-Gänge-Menü. Ein fruchtiger Aperitif, eine feine Bouillon und ein opulentes Dessert machen den Weihnachtsgenuss perfekt.
(Bild und Text: Brigitte, http://www.brigitte.de/rezepte/menue/4-gaenge-menue-1147462/ abger. 14.4.2016)

 

Weiterführende Informationen: Indigene Religionen. Das Religionsbuch „Religion bewegt“ stellt S. 38 und 39 drei Völker vor: Die Aborigines von Australien, die Bantu vom südlichen Afrika und die Andenvölker. (5.Klasse S. 38-39), Sündenbock, Menschenopfer und Götter (7. Klasse S. 88), Judenverfolgung als Sündenbockmechanismus (8. Klasse, S. 52), Die Wahrheit der Religionen (8. Klasse S. 38-46, 128)

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