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Nicht alles Heilige hält, was es verspricht. Heilig sind vielen Menschen der Fernseher und das Auto, die Familie und die Freunde. Es sind Gegenstände, Werkzeuge, Statussymbole, aber auch Beheimatungen in der Familie und im Freundeskreis. Zu den Statussymbolen gehören auch das Geld, der Ruhm und der Erfolg. Sehr vieles davon ist endlich, kann von Rost, Wurm und Motte zerfressen werden, wie es Jesus in der Bergpredigt einschärft (Mt 6, 19).

Der Ruhm weist schon über den Tod hinaus und einige Menschen sind nicht so leicht zu vergessen. Aber was ist, wenn niemand ihr Andenken mehr pflegt bzw. was haben sie davon, wenn die Nachwelt an sie denkt. Sie würden den Ruhm nur genießen können, wenn sie bei Gott weiterleben könnten. Aber wenn es keinen Gott gibt, ist alles verloren. Gott ist im Christentum der Garant, dass es ein Paradies gibt. Aber das Gewand im Paradies hat keine Taschen.

Wenn wir Schätze im Paradies haben wollen, können wir nicht auf Fernseher und Auto bauen. Auch Geld und Erfolg wird in das Paradies nicht eingelassen. Hingegen ist das Wohlwollen den Familienmitgliedern und den Freunden gegenüber durchaus ein kleiner Schatz im Himmel. Wenn jemand dann noch seinen Feinden Wohlwollen schenkt, freut sich der ganze Himmel. Auch anderen die Schulden vergeben ist ein Schatz, der Ewigkeitscharakter hat. Nicht nur Geldschulden sind gemeint, sondern wer Kränkungen vergibt, sammelt Schätze im Himmel.

Wie kommt Jesus dazu, so etwas zu behaupten? Es stecken da Grunderfahrungen dahinter, die schon teilweise im ersten Testament, dem Alten Testament durchdacht wurden. Vor allem in den jüngeren Schriften der Propheten wird Gott als sorgender, liebevoller Gott erfahren, der wie eine Mutter sich um seine Kinder kümmert. Er holt die Toten aus ihren Gräbern und erschafft einen neuen Kosmos mit neuen Sonnen und neuen Planeten, wo keine Tränen mehr fließen. Dieses Reich der Liebe und des Friedens, das Jesus mit Reich Gottes meint, ist schon jetzt spürbar. Feindschaft, Schuld und Kränkungen haben in dieser neuen Kraft keinen wichtigen Platz mehr. Die Schätze in diesem neuen Kosmos sind Vergebung und Nächstenliebe.

Jeder Mensch ist für Gott heilig. Schon im 7 Tagehymnus sagt Gott, dass die Menschen gut gemacht sind. Ihr Verhalten aber ist nicht immer gut oft gewalttätig. Die Liebe zum Anderen bestimmt nicht immer das Leben. Diese Sichtweise, dass der Andere heilig ist, hat der französische Philosoph Emmanuel Lévinas (1906-1995) in einen Gegensatz zu Israel gebracht: Die Heiligkeit des Anderen ist „heiliger als ein Land, sogar wenn dieses Land ein heiliges Land ist. Im Vergleich zu einer Person, die gekränkt worden ist, ist dieses Land – heilig und verheißen – nur Nacktheit und Wüste, ein Haufen von Holz und Steinen.“
Jesus sieht sich in jedem geringsten Menschen, wenn er sagt: Was ihr dem geringsten meiner Brüder und der geringsten meiner Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.

Wenn jede Person heilig ist, dann ist Nächstenliebe und Selbstliebe nicht gegeneinander auszuspielen. Ich trage für mich Verantwortung und für jene, mit denen ich lebe, arbeite und bete. Diese Verantwortung habe ich einerseits für mich, dass ich das werde, was ich bin, nämlich heilig und trage ich für die anderen, ihnen zu helfen, dass sie heilig werden. Der Philosoph Bernhard Welte (1906 - 1983) meinte, dass nicht nur wir, sondern alles, was existiert, auf Vollkommenheit aus ist: es will mehr bedeutsam, mehr wichtig und mehr heilig sein. Diese Steigerung der Bedeutsamkeit der Welt, so kann man folgern, mündet in das Paradies bei Gott, wo alles vollkommen und äußerst bedeutsam ist.               
(Mag. Hannes Daxbacher)

Welche Schätze vergehen:

 

Welche Schätze hebt Gott auf:

 

Was ist dabei die Grunderfahrung im Ersten Testament:

 

Wovon erfuhr Jesus schon einen Vorgeschmack:

 

Was ist der Mensch bei Gott:

 

Was meint Emmanuel Lévinas:

 

Wofür trage ich Verantwortung:

 

Was meint Bernhard Welte?

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