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Ruth Pfau

Mutter der Leprakranken wird sie genannt: Seit über 40 Jahren kümmert sich die deutsche Ärztin und Ordensschwester Dr. Ruth Pfau in Pakistan um Kranke und Ausgestoßene.
Die junge Ärztin und Nonne Ruth Pfau war entsetzt, als sie 1960 zum ersten Mal das Lager der Leprakranken in der pakistanischen Hafenstadt Karachi sah. Ausgestoßen und zum Sterben verdammt, lagen unzählige ausgehungerte Menschen auf den Straßen. Überall dreckverkrustete Körper und Gestank. Spuren von Rattenbissen waren an den gefühllosen Gliedern deutlich zu sehen. Nicht viel besser sah es in der kleinen Krankenstation aus, eine Hütte ohne Wasser und Strom. Dr. Ruth Pfau entschloss sich, etwas gegen das Elend zu tun.
„Dieser erste Besuch in der Leprakolonie ist für mein Leben sehr entscheidend gewesen“, sagt die 79-Jährige. Mehr als 40 Jahre hat sich die kleine, zierliche Frau für die Leprakranken in Pakistan eingesetzt. Auch mit Spenden aus Österreich baute sie eine moderne Spezialklinik auf, das Marie-Adelaide-Leprazentrum. Zusammen mit von ihr ausgebildeten Assistenten schuf sie in Pakistan ein flächendeckendes Netz von Leprastationen. Von dort aus werden selbst die entlegensten Dörfer am Hindukusch erreicht, um die Bevölkerung mit Medikamenten zu versorgen.
Ruth Pfaus besondere Sorge gilt den pakistanischen Frauen. In der Männer-Gesellschaft sind sie rechtlos und werden unterdrückt. Gerade wenn sie an Lepra erkranken, droht ihnen ein unbarmherziges Schicksal.

50.000 Menschen geheilt
Mittlerweile haben es Ruth Pfau und ihre Helfer geschafft, die Lepra in Pakistan in den Griff zu kriegen. Fast 50.000 Menschen konnten bislang von Lepra geheilt werden. Doch wegen der langen Inkubationszeit, die Jahrzehnte dauern kann, erkranken jährlich noch 1000 Menschen an Lepra. „Zwei Generationen müssen wir noch am Ball bleiben, um die Krankheit in Pakistan auszurotten“, schätzt die Ärztin. Neben der Lepra behandelt sie nun auch vermehrt andere Krankheiten, vor allem Tuberkulose.

Die Lepra nicht vergessen
Bereits selber von Krankheit gezeichnet, kann und will sie die Hände nicht in den Schoß legen. Warum besteht die Ärztin und Ordensschwester darauf, unbedingt bei der Lepraarbeit am Ball zu bleiben?
„Ganz einfach, damit man diese Krankheit nicht vergisst. Denn Lepra lässt sich nicht ausrotten. Das ist total unmöglich. Die Krankheit hat eine Inkubationszeit von drei bis fünf Jahren und länger. Und wenn keiner mehr über Lepra spricht, und keiner mehr an Lepra denkt, dann würde die Lepra eben wieder stärker werden. Wir haben das ja mit allen infektiösen Krankheiten global gesehen: Die Tuberkulose ist zurück, die Malaria ist zurück, die Schlafkrankheit ist zurück. Und wir haben uns geschworen: Mit der Lepra passiert das nicht!“

Sie weiß sich von Jesus gerufen. Sie soll wie Jesus dorthin gehen, wo sie gebraucht wird. Als sie über eine Hängebrücke fährt, die der Wind schaukelt, war ihr klar, dass sie Jesus auf seinem Weg nachfolgt. (Seite 50)

 

 

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