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  1. Klasse, 27: Benedikt von Nursia

Benedikt1Benedetto wurde mit seiner Zwillingsschwester Scholastika als Sohn einer vornehmen Familie geboren und schon als Knabe mit seiner Amme nach Rom zur Ausbildung geschickt, wo er auch studierte. Entsetzt vom Leben in der Stadt, das von Verfall gekennzeichnet war schloss Benedetto sich einer asketischen Gemeinschaft in Affile nahe Rom an.

Dann zog er sich in eine unbewohnte Gegend im Aniotal bei Subiaco zurück. Hier lebte er für drei Jahre völlig einsam in einer Höhle, die später "Heilige Grotte" genannt wurde. Täglich ließ ihm der Mönch Romanus aus einem benachbarten Kloster Vicovaro an einem Seil ein Brot herab, eine Glocke am Seil gab dazu das Zeichen. Benedettos Ruf als Heiliger wuchs, viele Menschen kamen, um ihn zu sehen.

Die Mönche von Vicovaro bei Tivoli in Norditalien luden ihn ein und wählten ihn zum Abt ihrer Gemeinschaft. Die Mönche waren mit seinen Regeln nicht einverstanden. Es kam zum Mordanschlag. In einem Kelch soll Gift gewesen sein, der zerbrach, als er das Kreuzzeichen darüber machte. Benedetto verließ die Gruppe und kehrte ins Aniotal zurück.

Für seine wachsende Schülerschar gründete er rund ein Dutzend kleine Klöster mit je zwölf Mönchen - die Monasteri di San Benedetto und di Santa Scholastica gibt es noch heute - und entwickelte Regeln für ein gemeinschaftliches Klosterleben.

Ein Stück Brot soll giftig gewesen sein, aber ein Rabe trug es fort. Sein Gebet bewirkte, dass Bruder Maurus trockenen Fußes über Wasser gehen konnte, um den ertrinkenden Placidus zu retten. Nach einem Besuch bei seiner Schwester Scholastika schaute er ihren Tod und wie ihre Seele als Taube gen Himmel fliegt.

Auf Benedetto ging dann die Gründung des Klosters von Montecassino bei Cassino zurück; 529 zog er selbst dort ein. Hier schrieb er seine berühmte "Regula Benedicti", die grundlegende Regel aller sich von da aus über das ganze Abendland ausbreitenden Klöster des Benediktinerordens mit dem Wahlspruch „Ora et labora", "bete und arbeite".

Die Mönche und Nonnen der benediktinischen Orden (Benediktiner, Zisterzienser und Trappisten), die auf die Benediktsregel zurückgehenden traditionellen Mönchsgelübde
Gehorsam,
Ortsgebundenheit, die das Mitglied an ein bestimmtes Kloster bindet und klösterlichen Lebenswandel, wobei der klösterliche Lebenswandel die freiwillige Armut und die ehelose Keuschheit miteinschließt. Benedettos Klosterregeln stellen in den Mittelpunkt das Leben in der Gemeinschaft und körperliche Arbeit. Seine Regeln haben das gesamte abendländische Klosterleben organisiert und belebt. Den Mönchen war jeglicher Besitz untersagt, die Mahlzeiten wurden gemeinsam eingenommen, unnötige Gespräche vermieden. Gebet und Arbeit, "ora et labora", dazu der Gehorsam, das waren und das sind bis heute im von ihm gegründeten Benediktinerorden die tragenden Säulen des Zusammenlebens.

Durch die Verbindung von meditativem, kontemplativem Anliegen mit aktiven, produktiven Elementen hat Benedetto neue Form mönchischer Frömmigkeit gefunden. Benedettos Ordensregeln waren auch eine Antwort auf die sich auflösende spätantike Gesellschaft: in die Unruhe und Auflösungstendenzen jener Zeit brachte er ein Prinzip ein, das dem Zeitgeist widersprach und das gerade deshalb dauerhaft wurde: die Beständigkeit, ein Innehalten in der Zeit der Völkerwanderungen.

Dazu kam, dass in den Klöstern alle Menschen aufgenommen wurden und als gleich galten. Der Unterschied zwischen "zivilisierten" Römern und "barbarischen" Germanen war aufgehoben. Benedetto war Pragmatiker, aber seine Regel wurde zum Modell einer zukünftigen Gesellschaft: nachdem nicht nur die Römer und Griechen, sondern auch die Germanen getauft waren, sollten die Menschen brüderlich miteinander umgehen und zusammen leben - und das Kloster dafür das Modell sein.

Einen großen Teil seiner Zeit widmete Benedetto den Nöten der einheimischen Bevölkerung, er verteilte Almosen und Nahrung an die Armen. Heilungen und Totenerweckungen werden berichtet. Dem Gotenkönig Totila, der ihn besucht hat, soll er 542 den in zehn Jahren erfolgenden Tod vorausgesagt haben; Totila fiel tatsächlich 552 bei Tagina. Benedetto starb am Gründonnerstag 547 während eines Gebets am Altar der Klosterkirche Montecassino. Seine Brüder sahen, wie er von Engeln gen Himmel getragen wurde.

43 Jahre danach wurde mit Gregor dem Großen erstmals ein Benediktiner Papst. Im 6. Jahrhundert missionierten Benediktiner in England, im 7. Jahrhundert kam ihre Klosterregel nach Frankreich. Aus dem schon von den Langobarden zerstörten Montecassino wurden Benedettos Gebeine 673 in die Benediktinerabtei St.-Benolt-sur-Loire bei Orleans gebracht, wo sie noch heute verehrt werden. Ab 1944 wurde das im 2. Weltkrieg völlig zerstörte Kloster auf dem Montecassino wieder aufgebaut. Heute wird seine Ordensregel auch als Maßstab für intelligentes Wirtschaften propagiert (Bücher wie „Finde das rechte Maß“ „Benedikt für Manager“). Benedetto wird als "Vater des westeuropäischen Mönchtums" bezeichnet. Neben den Benediktinern und Benediktinerinnen leben auch Zisterzienser und Zisterzienserinnen, Trappisten und Trappistinnen – beide Ordensgemeinschaften sind durch Reformen aus den Benediktinern hervorgegangen –  nach der Regula Benedicti.

Siehe Arbeit und Muße.

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