Religionsunterricht am Goethe-Gymnasium Wien

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Start 5. Klasse 7. Advent und Weihnachten Rückblick auf den kleinen Jesus

Rückblick auf den kleinen Jesus

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Gott wird ein MenschDie Menschen um Jesus machten die Erfahrung, dass sich Gott zeigte und eine gute Botschaft an sie richtete. Angst, Not und Verzweiflung haben nicht mehr das letzte Wort, sondern Gott zündet ein Licht in der Finsternis an und verhilft dem Frieden, der Gerechtigkeit und der Liebe zum Durchbruch.

Es ist das Reich Gottes angebrochen, bei dem die Armen beschenkt, die Unbedeutenden bedeutend und viele Mächtige gestürzt werden.


Der historische Anfang dieser neuen Zeit besteht aus der Geburt eines jüdischen Jungen, der bei der jungen Maria und dem Zimmermann Josef in dem Dorf Nazaret in der Provinz Galiläa aufwächst und bei dessen Geburt in Betlehem es zu außergewöhnlichen Ereignissen gekommen ist. Maria hatte schon in Nazaret eine Begegnung mit dem Engel Gabriel, der sie fragte, ob sie den Sohn Gottes empfangen will. Sie wurde mit ihm schwanger ohne mit einem Mann geschlafen zu haben. Josef hatte eine Begegnung mit einem Engel, der ihm erklärte, das Kind sei von der Ruach , dem Geist Gottes. 

Der Junge bekam den Namen Jeshua, im Griechischen „Jesus“. Er lernte in der Schule der Synagoge in Nazaret Hebräisch lesen und schreiben und die Tora, die hebräische Bibel (das Alte Testament) kennen. Verwandt war er mit Johannes, dessen Mutter Elisabet war. Sie und ihr Mann, Zacharias bekamen erst im hohen Alter das Kind Johannes, das später der Täufer genannt wurde.

Es war damals in Palästina nicht üblich, die Geburt eines Kindes genau zu datieren.

Viele Historiker machten sich auf die Suche nach dem Geburtsdatum Jesu. Als Junge einer armen Familie in Palästina geboren, erinnerten sich seine Verwandten eher vage an sein Geburtsdatum. Es gab keine Geburtsurkunde. Es gibt aber einige Möglichkeiten, das ungefähre Datum zu bestimmen:

Wenn es stimmt, dass er unter Herodes geboren wurde, wie es Matthäus schildert, dann ist er um 4 vor Christus geboren, denn Herodes starb 4 vor Christus. Wie kam es zu diesem Datum? Der Mönch und Gelehrte Dionysius Exiguus (470-540 n. Chr.) war der erste, der die Jahre nach Christus zählte. Bei der Berechnung von Christi Geburt hat er vier Jahre übersehen, die der römische Kaiser Augustus unter seinem eigentlichen Namen Oktavian regierte. Sonst hätte er Christi Geburt sicher 4 oder 5 Jahre früher angesetzt. Bemerkt wurde der Irrtum, als man das Todesdatum Herodes des Großen heranzog. Er war derjenige, den die Sterndeuter aufsuchten, als sie nach dem neugeborenen Jesus suchten. Der Fehler des Exiguus bereitet manchen Christen Kopfzerbrechen. Warum, so fragen sie sich, haben die biblischen Schriftsteller keine moderne großangelegte historische Untersuchung anstellen können?

Zur Zeit des Dionysius Exiguus - und bis ins 20. Jahrhundert.- hielten einige Christen die Bibel für ein relativ exaktes Geschichtsbuch. Das hat sich radikal geändert. Heute ist in der Kirche die Überzeugung vorherrschend, dass die Bibel ein Buch von religiösen Erfahrungen ist, die historischen Ereignisse aber erwähnt werden. (Fehler gab es in den damaligen Geschichtsschreibungen viele. Der jüdische Schriftsteller Flavius Josephus, der als Autorität für diese Zeit herangezogen wird, machte in seiner Geschichtsschreibung auch gravierende Fehler.) Die Erwähnung historischer Ereignisse hat den Zweck, die Erfahrungen in die Geschichte einzuordnen und zu zeigen, wie Gott in der Geschichte wirkt.

Die zweite Geburtsüberlegung geht von Quirinius aus. Wenn es stimmt, dass Jesus unter dem Statthalter Quirinius geboren wurde, wie es Lukas schildert, dann ist er 6 nach Christus geboren. Quirinius wurde 6 nach Christus Statthalter in Syrien. Mit seinem Kollegen, dem Prokurator von Judäa, Coponius führte er eine Volkszählung zwischen 6 und 7 nach Christus durch. Es kann aber auch sein, dass Quirinius in Judäa schon Jahre davor Herodes geholfen hat, eine Volkszählung durchzuführen. Dann würde auch 4 vor Christus passen.

Der Stern von BethlehemWenn es stimmt, dass die Sterndeuter kamen, weil sie einen Stern aufgehen sahen, dann kann man zwei astronomische Ereignisse heranziehen.

Der Halleysche Komet erscheint ungefähr alle 76 Jahre in Sonnennähe. 1986 war er das letzte Mal sichtbar. 12 vor Christus war er in China und sicher auch in Syrien sehr genau beobachtbar. 12 vor Christus als Geburtsdatum anzunehmen, erscheint aber ein bisschen früh.

Auf das zweite Ereignis wies der Hofastronom Johannes Kepler hin. Nach den Aufzeichnungen des jüdischen Schriftstellers Abardanel soll der Messias bei einer Konjunktion von Saturn und Jupiter im Sternbild der Fische erscheinen. Die Planeten Saturn und Jupiter trafen sich nach den Berechnungen von Kepler 7 vor Christus dreimal im Sternbild der Fische.
Von diesem Ereignis wussten nachweislich auch die Astrologen in Babylon. Sie könnten von Jerusalem an diesem 12. November das Planetenpaar an der Spitze des sogenannten Zodiakallichtkegels von Jerusalem aus über Bethlehem stehen sehen.

Es gibt aber auch andere Konstellationen:
6 v. Chr. gab es eine komplexe Konstellation u. a. mit Sonne, Jupiter, Venus und Mond im Sternbild Widder.
4 oder 5 v. Chr. gab es einen Kometen bzw. eine Nova in einer chinesischen und koreanischen Quelle.
3 v. Chr. gab es eine Konjunktion von Venus und Jupiter im Sternbild des Löwen
2 v. Chr. gab es eine Konjunktion von Venus und Jupiter

Wenn die Bibel kein reines Geschichtsbuch ist, dann ist man auf Näherungswerte angewiesen. Es kann dann durchaus historisch richtig sein, Jesu Geburt um das Jahr 4 vor Christus, dem Todesjahr von Herodes, anzusiedeln. Das Jahr 4 v. Christus wäre dann das Jahr, an dem der gute Gott ein Mensch unter Menschen geworden ist.