Religionsunterricht am Goethe-Gymnasium Wien

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Start 5. Klasse 1. Die große Sehnsucht 1.10 Tobias Sara Tobit und Hanna

1.10 Tobias Sara Tobit und Hanna

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TobiasTobias kämpft mit dem FischVater Tobit wurde im 8.Jh. v. Chr. als Israelit in die assyrische Hauptstadt Ninive verschleppt, in der damals Salmanassar V. herrschte. Weil sich Tobit so streng an die Nahrungsvorschriften des mosaischen Gesetzes hielt, wurde er vom König beauftragt, den gesamten Bedarf für die königliche Hofhaltung zu beschaffen.

Nach Salmanassars Tod verbot dessen Nachfolger Sanherib, getötete Israeliten zu bestatten, dennoch beerdigte Tobit seine verstorbenen Landsleute nach altem jüdischem Brauch. Als das entdeckt wurde, beschlagnahmte man seinen gesamten Besitz, und Tobit musste fliehen. Ihm waren nur seine Frau Hanna und sein Sohn Tobias geblieben. Kurze Zeit danach wurde Sanherib ermordet, und dessen Nachfolger Asarhaddon erlaubte Tobit, nach Ninive zurückzukehren. Eines Tages sandte Tobit seinen Sohn Tobias aus, um einen Armen zu suchen, der mit ihnen am Pfingsttag das Festmahl teilen sollte. Tobias kam mit der Nachricht zurück, dass man einen Juden erdrosselt und seine Leiche auf dem Marktplatz liegen gelassen hatte. Trotz entsprechender Verbote ging Tobit hinaus, um den Toten zu begraben. Da er bei dieser Tat der Nächstenliebe durch die Berührung des Toten unrein geworden war, legte er sich außerhalb seines Hauses für die Nacht nieder. Während er schlief, ließen Sperlinge Kot auf seine Augen fallen, was ihn erblinden ließ. Erst acht Jahre später sollte er wieder sehen können.

Tobits Glaube an einen Gott, der die Rechtschaffenen belohnt, wurde nun auf eine harte Probe gestellt, und in seiner großen Not begann er zu beten, Gott möge seinem Leben ein Ende setzen.

Zur selben Zeit betete in Ekbatana, der Hauptstadt Mediens, eine verschleppte Israelitin zu Gott. Es war Sara. Siebenmal hatte sie geheiratet, doch alle sieben Ehemänner wurden von einem bösen Geist, dem persischen Dämon Aschmodai, getötet, bevor die Ehe jeweils vollzogen werden konnte. Gott wollte sowohl Tobit als auch Sara helfen und sandte darum den Engel Rafael, der Menschengestalt annahm und als Asarja, ein Verwandter Tobits, auftrat.

Früher einmal hatte Tobit bei einem Mann in der Stadt Rages in Medien (dem heutigen Rhey bei Teheran) zehn Talente Silber zur Aufbewahrung hinterlegt. Er sandte nun seinen Sohn Tobias aus, um den Mann aufzusuchen und das Geld zu holen. Da Tobias den Weg nicht kannte, engagierte er für eine Drachme pro Tag einen Reisebegleiter, bei dem es sich um den unerkannt bleibenden  Erzengel Rafael handelte. Auch ein Hund war auf der Reise dabei, die Tobias gerne für seinen blinden Vater machte.

Als Tobias am Ufer des Tigris, wo sie ihr Lager aufgeschlagen hatten, von einem großen Fisch angegriffen wurde, befahl ihm Asarja, das Tier zu töten, ihm Herz, Leber und Galle zu entnehmen und aufzubewahren.

Bevor sie Mediens Hauptstadt Ekbatana erreichten, erzählte Asarja Tobias von einer Verwandten, Sara, deren sieben Ehemänner vom Dämon Aschmodai getötet worden waren, bevor jeweils die Ehe vollzogen war. Nun sei es Tobias‘ Pflicht, Sara zu heiraten, doch werde ihm kein Leid zustoßen, sagte Asarja.

In der Hochzeitsnacht verbrannte Tobias Herz und Leber des Fisches und vertrieb so den Dämon. Vor Erleichterung gab Saras Vater Tobias die Hälfte seines Besitzes. Asarja verließ die Feier und brachte Tobit das Geld. Nachdem alle wieder in Ninive waren, bestrich Tobias die Augen seines Vaters mit der Galle des Fisches, und Tobit konnte sofort wieder sehen. Als Tobias Asarja zum Dank die Hälfte seines Vermögens anbot, gab sich Asarja als der zu erkennen, der er wirklich war: der Engel Rafael.